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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Der Rocker in der Mönchskutte

Notker Wolf an der Gitarre, Foto: Notker Wolf

Trotz nasskalten Wetters ließen sich 3 000 Kirchentagsbesucher nicht davon abhalten, mit Regenschirmen einem rockenden Mönch zuzujubeln. Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens, und seine Band spielten auf der Caritas- und Diakoniebühne im Marienhof.

Um ihn rum tost der Regen, lärmt die Rockmusik. Ruhig steht Notker Wolf inmitten seiner Bandkollegen auf der Kirchentagsbühne im Marienhof. Dann kommt sein Einsatz. Er schürzt die Lippen, setzt die Querflöte an – und spielt ein Solo im Stile des Jethro-Tull-Frontmanns Ian Anderson. Die Zuschauermenge johlt, ihre Regenschirme tanzen. Viele der Kirchentagsbesucher sind an diesem nasskalten Donnerstagabend in die Münchner Innenstadt gekommen, um ihn zu sehen. Notker Wolf, den Rocker in der Mönchskutte.

Kein Widerspruch zwischen Glaube und Rockmusik

„Glaube und Rockmusik waren für mich nie ein Widerspruch“, sagt Wolf. Im feuchten Backstagezelt. nimmt er einen Schluck Kaffee aus einem Plastikbecher „Im Gegenteil. Musik ist doch nur die Steigerung des gesprochenen Wortes“, sagt er und stimmt zum Beweis einen gregorianischen Choral an. Eigentlich steht er aber auf härteren Sound. Seine Leidenschaft wurde bereits Mitte der 1960er Jahre geweckt. Wolf studierte damals Philosophie in Rom, als junger Benediktiner an der Päpstlichen Hochschule. Dann entdeckte er die Rolling Stones und Jimi Hendrix. Heute ist Wolf Abtprimas des Benediktinerordens, er ist der Sprecher für rund 7 500 Mönche und 17 000 Nonnen weltweit. Er äußert sich gern zu politischen Themen und vertritt auch unbequeme Ansichten. So hat er sich mehrfach für die Kürzungen von Sozialleistungen ausgesprochen, wenn bei den Empfängern der Arbeitswille fehle: „Ich glaube an die Eigenverantwortung. Der Mensch muss seine Trägheit überwinden.“ Ebenso kritisiert Wolf aber auch die vermeintliche Boni-Raffgier der Konzernbosse und Banker.

Unterhaltung und Mission

Mit seiner Band „Feedback“ will Wolf aber nur unterhalten. Und nicht missionieren. „Wir sind keine fromme Band. Wir sind eine Rockband“, sagt Wolf und lacht. Das schwere Kreuz an seiner langen Halskette schwingt wie ein Pendel. Mit seinen ehemaligen Schulkollegen spielt Wolf schon seit 20 Jahren zusammen. Neben der Querflöte greift er auch zur elektrischen Gitarre. Und gibt Eigenkompositionen wie Coversongs von Deep Purple, Led Zepplin und natürlich den Rolling Stones den letzten Schliff. Welche Band er auf gar keinen Fall spielen würde? „Na, Judas Priest natürlich!“, sagt Wolf. Dann geht er in Richtung Bühne.

Zwei Stunden später ist das Konzert vorbei. Es regnet immer noch Bindfäden, aber gut 200 Fans haben bis zur Zugabe durchgehalten. Notker Wolf ist jetzt müde und zufrieden. Selbst dem Sauwetter kann der Mann in der Kutte noch etwas abgewinnen. „Tja, da wollte Petrus wohl die echten Rockfans von den Falschen trennen!“

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