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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

900 Kilometer für die Ökumene

Fast 1000 Pilger sind mit dem Rad zum ÖKT gekommen. Einige sind in elf Etappen von Berlin nach München gestrampelt.


Hunderte Fahrradglocken erklingen, Blaulicht zetert durch die Luft, der Schülerchor aus Magdeburg singt zur Begrüßung. Die letzten Meter sind am schönsten. Nach 86 Stunden Fahrt radeln Annett Krufke und ihre fünf Schüler vor der St.-Pauls-Kirche in München vor. Über 900 Kilometer haben sie in den vergangenen zehn Tagen zurückgelegt. Von Magdeburg nach Berlin, dann weiter nach München. „Die Tour war eine Grenzerfahrung“, sagt Krufke. „Wäre ich alleine gewesen, hätte ich längst aufgegeben.“
Manchmal musste die Gruppe Berge mit einer 15prozentigen Steigung bewältigen, die Knochen schmerzten, der Regen peitschte den Fahrern bei zwei Grad Celsius ins Gesicht. Die Fahrt in der Kolonne war für alle anstrengend. „Alle mussten akzeptieren, dass der Schwächste das Tempo bestimmt“, sagt Krufke. „Wir sind erst dann weiter gefahren, wenn auch der letzte wieder Kraft hatte.“ Karolin ist stolz darauf, dass sie durchgehalten hat. Nicht nur beim Fahren. Rund um die Uhr war die Gruppe zusammen und hat alles geteilt, vom Nachtlager bis zur Dusche. Aber der Spaß an der Gemeinschaft hat viele Strapazen vergessen lassen. „Die Gruppe hat uns getragen“, sagt die 15-Jährige. „Egal was passiert ist, auf dem Rad war ich wieder glücklich.“

Video: Die Pilger kommen beim ÖKT an

„Wir haben den Kirchentag auf die Straße gebracht“, sagt Christoph Teekath. Der Projektleiter von „Ökumene ins Rollen bringen“ ist zuversichtlich, dass viele Pilger den Weg nach München finden. „Unsere Idee war, eine Brücke vom ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin zum zweiten Ökumenischen Kirchentag in München zu schlagen“, erklärt Teekath. Er ist Religionslehrer am Ökumenischen Domgymnasium Magdeburg, von dort ging die Initiative zum Fahrradpilgerprojekt aus. Am 1. Mai versammelten sich in Berlin etwa 1000 Radfahrer, um in elf Etappen nach München zu pilgern. Manche waren nur einen Tag dabei, andere die komplette Strecke. „Rechnet man die Kilometer zusammen, die jeder Radfahrer zurückgelegt hat, dann sind wir dreimal um die Welt geradelt“, sagt der Projektleiter.

Vom Gemeinschaftsgefühl beeindruckt

Manfred und Edith Martin sind knapp 300 Kilometer mit der Gruppe mitgefahren. Regenjacke, doppelt gepolsterte Radlerhosen, Brille und Fahrradhelm: Die Martins haben sich auf die lange Tour gut vorbereitet. „Bis auf einen Platten gab es keine Zwischenfälle“, sagt Manfred Martin. Der 72-jährige hat immer wieder trainiert, hält sich mit Laufen und Schwimmen fit. Ihn hat besonders das starke Gemeinschaftsgefühl beeindruckt, die Idee für die Ökumene eine so weite Strecke zurückzulegen. Viele interessante Menschen hat er getroffen, wurde in Klöstern, Gemeinden oder Schulen gastfreundlich aufgenommen. Trotzdem ist Martin froh, dass die Pilger rechtzeitig in München angekommen sind.
Vom Portal der St.-Pauls-Kirche sieht man direkt zur Theresienwiese. Laute Musik dröhnt herüber, die Proben für den Eröffnungsgottesdienst laufen auf Hochtouren. Um 16 Uhr werden die Radpilger zum Vorprogramm auf der Theresienwiese einfahren. Ein zweites Mal würde Annett Krufke die Pilgerfahrt mit dem Rad nicht mehr machen. Nicht weil sie die Anstrengung scheut. Ganz im Gegenteil. „Noch eine Radtour wäre ja nur ein Abklatsch“, sagt sie. Insgeheim schwebt ihr schon eine Pilger-Bootsfahrt zum nächsten Ökumenischen Kirchentag vor.

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