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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Jugendliche auf dem ÖKT: kostenlose Umarmungen und mehr

Der 2. Ökumenische Kirchentag ist jung: viele zehntausend Jugendliche sind nach München gekommen, um mitzufeiern. Im Jugendzentrum am Olympiapark wird ihnen viel geboten. Manchmal übertrifft der Kirchentag dabei sogar die Erwartungen der jungen Leute.

Luisa, Nina, Antonia und Charlotte kommen schon um 11 Uhr am Olympiazentrum an. Um 13 Uhr beginnt der Gottesdienst unter dem Motto „Way of Life“ in der Zeltkirche. Die 15-jährigen Mädchen aus Berlin-Reinickendorf waren schon bei der Morgenandacht, jetzt freuen sie sich auf den ökumenischen Jugendgottesdienst. Die vier sind evangelisch. „Der Kirchentag übertrifft meine Erwartungen“, erklärt Luisa. Statt langweiliger Predigten habe sie wichtige Impulse für ihr Leben bekommen. „Wir beschäftigen uns ja immer viel mit uns selbst, zum Beispiel mit unserer beruflichen Perspektive“, sagt Charlotte. Doch als der Pfarrer in der Morgenandacht über Barmherzigkeit gesprochen habe, sei ihr bewusst geworden, dass sie ihr Leben oft viel zu selbstbezogen ausrichte. „Deswegen interessiert uns der Gottesdienst zur Lebensgestaltung sehr!“ 

 

Jugendliche beim Abend der Begegnung

Interesse an Politik

Auf dem Coubertinplatz ist ein Hindernissparcour aus Holzbrettern und bunten Hütchen aufgebaut: Für das „Kettcar-Rolli-Rennen“. Der Bund der Katholischen Jugend verleiht hier Rollstühle an Nichtbehinderte. Die müssen im Rollstuhl erst mal zurecht kommen. „Das war ganz schön ungewohnt am Anfang, Arme und Brust schmerzten richtig“, sagt der 16-jährige Oliver aus Frechen. Oliver findet es gut, dass der BDKJ den Jugendlichen diese Erfahrung ermöglicht: „Damit wir erfassen, wie das ist. Wir können ja laufen.“  Oliver und seine Freunde interessieren sich auch für das politische Programm. Am Freitag haben sie sich Kanzlerin Angela Merkel angehört und waren im früheren Konzentrationslager Dachau.

Anderen Menschen näher kommen

„Free Hugs“ steht auf den Pappschildern, die Kendra, Freya und Paul um den Hals tragen. „Was heißt denn das“, fragen viele Passanten neugierig. „Wir geben jedem, der möchte, eine kostenlose Umarmung“, erklärt der 17-jährige Paul. Die drei Jugendlichen aus Eckernförde waren auf den Evangelischen Kirchentagen in Köln und Bremen, dort haben sie das Konzept der „Free Hugs“ kennengelernt. „Es ist eine schöne Erfahrung, anderen Menschen näher zu kommen“, meint die 17-jährige Kendra. Ganz unterschiedliche Leute würden ihr Angebot annehmen: Jugendliche, Ältere, eine katholische Nonne, ein Rollstuhlfahrer. „Zwei haben gesagt: Gott segne Dich“, sagt Paul. Die drei Jugendlichen sind mit ihrer evangelischen Gemeinde angereist, Religion ist ihnen sehr wichtig. „Die Religion gibt mir Kraft, es gibt schließlich viele Situationen, in denen man nicht weiter weiß“, erklärt Paul.

 

Geschlechterrollen aufbrechen

Im Zelt der Jugendverbände Gemeinsamen Christlichen Lebens verteilt der 28-jährige Florian Meier Zettel an Mädchen und Jungen: Die Mädchen sollen auf einem blauen, die Jungs auf orangefarbenen Zetteln festhalten, wie sie als Mann oder als Frau sein wollen. „Wir wollen die als selbstverständlich geltende Geschlechterrollen aufbrechen“, erklärt er. „Selbstbewusst“, wollen viele der Mädchen sein. Und die Jungen? „Anderen helfen“, schreiben manche, oder „erfolgreich“. Einer möchte aber eher das klassische Rollenverständnis eines Mannes erfüllen: „Profifußballer“ will er werden, „sehr viel Geld verdienen“ und „viele Kinder haben: zwei bis drei“.

Jungend mach interreligiösen Dialog

Abuzar Erdogan ist 16 und Jugendvorstand im Bund der Alevitischen Jugend Rosenheim. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen bietet er einen Workshop zu Aleviten in Deutschland an. Er interessiert sich für den interreligiösen Dialog. „Ich finde es gut, dass der ÖKT darauf aufmerksam macht“, sagt Abuzar. Doch zu dem Workshop, den er mit anderen Jugendleitern geplant hat, kommt niemand. „Es ist schade, dass immer nur ranghohe Vertreter nichtchristlicher Religionen wahrgenommen werden“, meint Ertekin Kocer von der Alevitischen Jugend München.

Mein ÖKT