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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Richard Schröder über Aufgaben des Staates in Krisenzeiten

„In Deutschland ist die Lage weit überwiegend mehr gut als schlecht. Gleichwohl wird die Kunst des Klagens perfekt beherrscht; wir jammern viel und auf hohem Niveau, aber vielleicht oft nur oberflächlich.“  Das sagte der Berliner Philosoph und Theologe Richard Schröder am Donnerstag in einem Vortrag zum Auftakt des Thermenbereichs “Miteinander leben“ des Kirchentages.

Schröder, der 1990 Fraktionsvorsitzender der SPD in der letzten und frei gewählten Volkskammer der DDR war und nach der Wende in die Wissenschaft zurückkehrte, äußerte sich zu der Frage, welche Aufgaben der Staat künftig angesichts der anhaltenden Krise habe. Schröder wandte sich vehement gegen eine in der Geschichte der Christenheit wiederholt auftretende Haltung, sich von aller Welt abzuwenden und den „schnöden Staat“ gewissermaßen sich selbst zu überlassen. Gerade auch aus christlichem Verständnis sei die Legitimation eines um das Wohl der Menschen besorgten Staates begründbar, ja verlange geradezu ein Engagement. Recht und Frieden seien fortwährende Staatsziele. Die andernfalls drohende Alternative, „das Chaos der entfesselten Emotionen“, berge nur zu oft die Gefahr verheerender Bürgerkriege.

Sozialstaat mit überfrachten

Der moderne Sozialstaat dürfe nicht, so Schröder, mit zu hohen Erwartungen überfrachtet werden: „Der Staat ist nicht verantwortlich für das Heil und Glück der Bürger.  Wo das versucht wird, führt der Weg ins Unglück.“ Der Staat könne auch nicht beliebig Wohlstand produzieren, „es gibt kein Naturgesetz auf ständige Zuwächse“. Auch in Sachen Moral dürfe der Staat nicht überfordert werden: „Moralvermittler finden wir vor allem in unserer persönlichen Lebensumgebung.“

Eigenverantwortung ist Bürgerpflicht 

Der Ruf der Politiker sei derzeit in Deutschland „schlechter als billig“. So manche unpopuläre Entscheidungen, etwa die Rente mit 67, resultierten doch aus erfreulichen Anlässen wie der gestiegenen Lebenserwartung. Schröder plädierte dafür, mehr „Bürgerstolz“ zu zeigen und mehr Eigenverantwortung für persönliche und gemeinschaftliche Aufgaben zu übernehmen. „Das ist heute für mich die erste Bürgerpflicht!“

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