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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Zypries attackiert Apple

Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat auf dem Ökumenischen Kirchentag in München den kalifornischen Computerriesen Apple kritisiert. Auf einem Podium zum Thema „Wie viel Internet rettet die Demokratie?“ sagte Zypries, durch die Produkte des Konzerns würden Internetnutzer auf ihre Rolle als Konsument beschränkt. Positive Eigenschaften des Internets – etwa vereinfachte Teilnahme und Teilhabe an politischen Prozessen – gerieten dadurch ins Hintertreffen.

Auch Unternehmen wie Facebook, Google und Microsoft seien wegen ihrer Macht, ihrem Datenhunger und ihrer Wirtschaftskraft bedenklich, so Zypries. Die Zivilgesellschaft müsse darauf reagieren, zum Beispiel durch die Entwicklung nicht-kommerzieller Angebote. „Und wenn es diese Angebote gibt, müssen die Leute mit den Füßen abstimmen“, so Zypries weiter.

Schutz geistigen Eigentums

Die SPD-Politikerin sprach sich auch für das klassische Urheberrecht aus - und den damit verbundenen Schutz geistigen Eigentums. „Im Internet müssen dieselben Regeln wie in der realen Welt gelten. Und wenn jemand ein Buch schreibt und damit Geld verdienen will, dann ist das zu respektieren. Das darf dann nicht illegal im Netz kopiert werden.“ In diesem Punkt lag die ehemalige Ministerin mit ihrem Gesprächspartner Andreas Popp von der Piratenpartei über Kreuz. Popp bestritt die Existenz jeglichen geistigen Eigentums, jegliche Information müsse frei verfügbar sein. Zugleich forderte er den Schutz von sogenannten Privatkopien ein: „Es kann nicht sein, dass auf Schulhöfen Handys nach illegaler Download-Musik durchsucht werden.“

Internet ist schwatzhaft

Die Journalistin Beatrice von Weizsäcker betonte die neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die das Internet durch Kommentarfunktionen, Blogs und Meinungsforen biete: „Das Internet ist so wie wir, es neigt zur Schwatzhaftigkeit. Aber es ist auch ein demokratieförderndes Forum. Und die Chance für jeden, etwas loszuwerden, das ist doch eine Errungenschaft.“ Angeregt wurden die Diskutierenden durch eine Einführung der Aachener Erziehungswissenschaftlerin Nadia Kutscher. Die Wissenschaftlerin verwies auf das Phänomen der sozialen Differenzierung bei Internetnutzern: An politischen Prozessen im Netz seien in erster Linie Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen beteiligt. Weniger Gebildete beschränkten sich auf Selbstdarstellung und Konsum. Ihre Lösung: „In allen Bildungsbereichen muss Medienkompetenz vermittelt werden, nicht nur in den Schulen, sondern auch in der Erwachsenenbildung“, forderte Kutscher. 

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