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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Leggewie: Bundesregierung muss Nachhaltigkeit ressortübergreifend fördern

Wissenschaftler kritisiert Leben der Menschen auf den Kosten kommender Generationen


Der Essener Politikwissenschaftler Claus Leggewie hat die Bundesregierung aufgefordert, das Thema Nachhaltigkeit ressortübergreifend in Angriff zu nehmen. „Nachhaltigkeit betrifft auch Außen- und Entwicklungsministerium, aber von ihnen hört man viel zu wenig“, sagte Leggewie am Freitag beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München. Zugleich forderte der Wissenschaftler alle gesellschaftlichen Gruppen zum gemeinsamen Engagement gegen das Fortschreiten des Klimawandels auf. Nach dem Vorbild der Architekten sollten möglichst alle Berufsgruppen, aber auch Stiftungen, Vereine und Konsumentenverbände Selbstverpflichtungen zum Thema Nachhaltigkeit vorlegen. Ebenso könne jeder Bürger bei Ernährung, Mobilität und Wohnen unmittelbaren Einfluss nehmen. Die gesellschaftliche Akzeptanz für ökologisches Handeln sei deutlich gestiegen. In den notwendigen Anstrengungen gegen die Folgen der Erderwärmung stecke die „unglaubliche Chance eines Gesellschaftswandels zum Besseren“.

Was ÖKT-Besucher tun, um das Klima zu schützen. Christina Felschen hat nachgefragt

Der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimaforschung, Otmar Edenhofer, drängte auf ein globales Klimaabkommen in den nächsten zehn Jahren. Andernfalls werde es nicht gelingen, den Klimawandel zu stoppen. „Dafür brauchen wir eine auf nachhaltige Wirtschaft ausgerichtete industrielle Revolution und ein faires Angebot an Entwicklungs- und Schwellenländer.“ Als Gemeinsamkeit von Finanz- und Klimakrise bezeichnete er, dass die Menschen heute auf Kosten der kommenden Generationen lebten. „Wir verbrauchen Naturkapital und nehmen permanent Hypotheken auf die Zukunft auf. Das muss sich ändern.“ Gerade im Hinblick auf die Menschen in Entwicklungsländern, die kaum Verursacher, dafür aber Hauptleidtragende des Klimawandels seien, müsse es eine weltweite Pro-Kopf-Zuteilung von CO2-Emissionen geben, forderte der Wissenschaftler.


Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bekräftigte den Willen der Bundesregierung, Antreiber einer zukunftsorientierten Klimapolitik zu sein. Der Klimagipfel in Kopenhagen sei zwar „gescheitert“, doch werde mit Nachdruck weiter verhandelt. „Gleichzeitig müssen wir handeln und nicht abwarten oder uns dem Tempo des Langsamsten anschließen.“ In Allianzen mit anderen „Willigen“ würden konkrete Projekte entwickelt, was den Druck auf die Langsamen erhöhe. Ebenso wolle die Bundesregierung die Bürger mit individuellen Förderungen und Anreizen dazu motivieren, ihren persönlichen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Für die Politik sei der Kampf gegen die Folge des Klimawandels eine gemeinsame Aufgabe aller Staaten, doch seien die Industrieländer als vorrangige Verursacher in besonderem Maße gefordert, betonte Röttgen.

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