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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Kriterien für die Schöpfung im Labor

Wird in Labor neue Organismen gebaut, ist die Kirche gefragt. Welche Kriterien müssen dabei angewandt werden? Foto: pixelio.de

Dass Kirche und Wissenschaft in einem mehr oder weniger starken Spannungsverhältnis stehen, ist spätestens seit Kopernikus und Galilei Allgemeingut. Doch angesichts einer fortschreitenden Technisierung der Gesellschaft wird der Bedarf an Werteorientierung größer. Dem will der 2. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) mit einem systematischen „Dialog mit den Wissenschaften“ Rechnung tragen.

Ein Novum, betont der Münchner Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Klaus Mainzer, Sprecher des ÖKT-Vorbereitungsteams für diesen Bereich. „Bisher wurden bei Katholikentagen oder Evangelischen Kirchentagen einzelne aktuelle Fragen zur Wissenschaft aufgegriffen, aber diesmal soll die Thematik in ganzer Breite behandelt werden.“ Dank des Austragungsorts München mit seinen bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtungen und dank der Mitwirkung der Bundesforschungsministerin, eines Nobelpreisträgers und vieler Fachleute hat das Projekt gute Chancen.

Hoffnungen und Ängste in Bezug auf Forschung

So soll im Zentrum „Dialog mit den Wissenschaften“ erörtert werden, welche Hoffnungen, aber auch welche Ängste in Bezug auf neueste Forschungstrends und ihre Auswirkungen bestehen. In gut zwei Dutzend Podiumsgesprächen, Vorträgen und Filmvorführungen geht es von Donnerstag bis Samstag um Gehirn- und Gedächtnisforschung, Kosmologie und synthetische Biologie, vorgeburtliche Diagnostik und Alzheimer, Palliativmedizin und Organspende, Klimaforschung und Finanzwirtschaft. „All das, was den Menschen in der modernen Gesellschaft auf den Nägeln brennt, hat mit Wissenschaft zu tun“, sagt Mainzer, der auch Direktor der Carl-von-Linde-Akademie ist, einer interdisziplinären Plattform der Technischen Universität München.

Lange Nacht der Wissenschaft

Im Fokus der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am Samstagabend stehen die Versorgung der Menschheit mit Wasser und Energie, die wissenschaftliche Betrachtung der Dimension „Zeit“ sowie Klimawandel und Entwicklungspolitik. Zeitgleich lädt das Forschungszentrum Garching bei der „Nacht der offenen Tür“ dazu ein, sich in den verschiedenen Instituten über den Stand der Forschung auf ausgewählten Gebieten zu informieren. Auf den Podien werden sich bedeutende Vertreter ihres Fachs ein Stelldichein geben, darunter der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer, der Münchner Astrophysiker Harald Lesch, der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs, der katholische Theologe Eberhard Schockenhoff, Mitglied des Deutschen Ethikrats, Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), selbst langjähriges Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Zusammenarbeit von Kirche, Gesellschaft und Wissenschaft

Beim ÖKT stehe auch die Frage im Raum, wie eine Kooperation von Kirche, Gesellschaft und Wissenschaft künftig aussehen sollte, erklärt Mainzer. Während die Wissenschaft die Frage nach den Werten ausblende, sei dies ureigenes Kapital der Kirchen. „Es ist Aufgabe der Wissenschaft, Wege und Optionen aufzuzeigen, doch wo wir tatsächlich Kapital investieren, hängt von unseren Präferenzen ab, zumal die Mittel begrenzt sind.“ Dass dies beileibe kein realitätsferner Disput ist, zeige sich bei der Verteilung von Forschungsgeldern: In einen Reaktor zur Simulation des Urknalls, in Gentechnologie oder in die Erforschung des Gehirns, dem „sensiblen Trägerorgan der Seele“. „Man darf das eine nicht gegen das andere ausspielen oder Dinge von vorn herein ausschließen, aber genau hier sind Werte unabdingbar“, unterstreicht der Professor.

Welche Kriterien bei Schöpfung im Labor anlegen?

Gerade beim Thema synthetische Biologie zeige sich das verführerische Potenzial der Wissenschaft. „Wir sind heute nicht nur in der Lage, das Leben zu erklären, sondern auch neue Organismen zu bauen. Da ist es nicht die Frage, ob wir Gott spielen und die Schöpfung im Labor nachahmen, sondern nur, welche Kriterien wir dabei anlegen.“ Hier seien eindeutig die Kirchen gefordert, sagt der Philosoph. „Aber sie müssen ihre eigene Stärke und Position selbst erkennen, dann werden sie auch als kompetente Gesprächspartner von der Politik wahrgenommen.“

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