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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Experten fordern Prävention, um den Frieden zu schützen

Dieter Senghaas, Foto:privat

Die wirksamste Methode, internationale Krisen zu verhindern, ist eine möglichst frühe Prävention. In diesem Punkt waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema „Neue Kriege und gerechter Friede“ einig. Der bekannte Friedensforscher Dieter Senghaas forderte, dass Militär, Kirchen und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten müssten, um in bedrohlichen Situationen rechtzeitig vermitteln zu können.

„Neue Kriege“ nannte Senghaas „die Zerfallsprodukte von Bürgerkriegen“, in denen es vorrangig um die Verteilung von Ressourcen wie Erdöl, Erdgas oder anderer Rohstoffe gehe. Tilman Evers, Vorsitzender des Forums ziviler Friedensdienst, fügte hinzu, bei den so genannten neuen Kriegen handle es sich um innergesellschaftliche Konflikte. „Die Gesellschaften ringen mit sich selber.“ Es gehe dabei um die Frage der Identität einer Gesellschaft, unter anderem der ethnischen Identität. Als Mittel dagegen schlug er den zivilen Friedensdienst vor: Menschen gehen für längere Zeit in ein Krisengebiet und arbeiten dort mit lokalen Partnern am Aufbau des Friedens. Die zivilen Mittel der Konfliktlösung müssten ausgebaut werden, so Evers. 30 Millionen Euro betrage der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung pro Jahr, die gleiche Summe verschlinge der Afghanistan-Einsatz an einem Tag.

Auslandseinsätze nur zu einem geringen Teil militärisch

Rainer Glatz, Generalleutnant der Bundeswehr, wies in seinem Statement darauf hin, dass die deutschen Auslandseinsätze nur zu einem geringen Teil aus militärischen Mitteln bestünden. „Soldaten können nur Zeit kaufen“, so der General. Die Politiker müssten diese Zeit nutzen, mit anderen als militärischen Mitteln den Frieden herbeizuführen. Abwesenheit von Gewalt sei eine grundlegende Voraussetzung für den Prozess der Friedensschaffung.

Frieden braucht Gewaltmonopol

Wolfgang Lienemann, Professor für Theologie in Bern, wies darauf hin, dass gerechter Friede ein völkerrechtliches Gewaltmonopol und ein Gewaltlegitimierungsmonopol brauche. Der Weg dorthin sei aber schwer, da keiner der großen Staaten die dazu erforderlichen Konzessionen leisten wolle. Auch Friedensforscher Dieter Senghaas stellte fest, dass der UN-Sicherheitsrat gleiche Konfliktfälle nicht gleich behandle. Für einen gerechten Frieden nannte er vier Bedingungen: Schutz vor Gewalt durch ein staatliches Gewaltmonopol, Schutz der Freiheit durch Rechtsstaatlichkeit, Schutz vor Not durch Bemühungen um Chancengleichheit und Schutz kultureller Vielfalt.  „Wo Bemühungen ausbleiben, diese vier Ziele zu erreichen, ist die Wahrscheinlichkeit von einem Bürgerkrieg sehr hoch“, so der Wissenschaftler.

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