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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Von Weizsäcker verurteilt Biopiraterie

Der Biologe Ernst-Ulrich von Weizsäcker hat Biopiraterie verurteilt und einen Verlust an biologischer Vielfalt beklagt. Die derzeitige Engführung der Umweltdebatte auf den Klimawandel sei gefährlich, sagte der prominente SPD-Politiker und Naturwissenschaftler. Manche Unternehmen versteckten hinter einem Klimaschutzengagement auch ausbeuterische Praktiken im Süden. Von Weizsäcker diskutierte vor 3.000 Zuhörern mit der prominenten indischen Umweltaktivistin Sunita Narain.

Der Diebstahl biologischer Vielfalt aus dem Süden und die Ausbeutung des ökonomischen Nutzens im Norden seien ein Skandal, so von Weizsäcker. Er mahnte die Verabschiedung eines weltweiten Protokolls über Zugang und Verwertung des vor allem auf der Südhalbkugel vorhandenen biologischen Reichtums an. Der Naturwissenschaftler warf insbesondere den USA vor, die Einigung auf eine entsprechende Konvention zu verhindern. Inzwischen seien die meisten biologischen Schätze in den Händen des Nordens, besonders in denen der Amerikaner.

Keine Schuldzuweisungen nach China und Indien

Insbesondere das Gebaren der Firma „Monsanto“ geißelte der Biologe als eine „Frechheit“. Zunächst würden die Pflanzen geklaut, dann in den USA patentiert und gezüchtet, um dann das Saatgut teuer wieder in die Herkunftsländer im Süden zu verkaufen. In der Frage des Klimaschutzes warnte von Weizsäcker warnt vor ungerechten Schuldzuweisungen. Man dürfe den Chinesen und Indern nicht unzureichendes Umweltbewusstsein vorwerfen, bezogen auf die Bevölkerungszahlen sei die Kritik falsch. „Wenn alle sechs Milliarden Menschen so leben wollten wie die Amerikaner, dann bräuchten wir vier Erdkugeln. Wir haben aber nur eine.“

Wachstum mit Rücksicht auf die Schöpfung

Sunita Narain, Direktorin des Zentrums für Wissenschaft und Umwelt im indischen Neu Delhi, plädierte für einen neuen Wachstumsbegriff, der Rücksicht auf die Schöpfung und die begrenzten Ressourcen der Welt nehme. „Wir müssen ein Modell entwickeln, dass Fortschritt erlaubt, ohne die Welt zu zerstörten“, erklärte sie. Nicht der Konsum dürfe im Mittelpunkt wirtschaftlichen Denkens stehen. „In Neu Delhi sind schon jetzt alle Straßen verstopft, aber nur zehn Prozent der Bevölkerung haben ein Auto“, so die ‚Wissenschaftlerin. Wenn es Gerechtigkeit geben solle, dann müsse es ein neues Modell auch von Mobilität geben.

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