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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Erzbischof Marx gegen freien Kapitalismus

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat katholische und evangelische Christen dazu aufgerufen, „den Politikern auf die Füße zu treten“ und sich für eine Weltinnenpolitik stark zu machen, die das globale Gemeinwohl in den Mittelpunkt des Wirtschaftens stellt. „Dafür müssen wir als Kirchen kämpfen“, appellierte Marx auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag beim Podium „Aus den Krisen in die Zukunft – Welche Verantwortung hat die Wirtschaft?“

Eine Wirtschaft ohne ethisches Fundament wirke zwangsläufig zerstörerisch, sagte Marx. Die Konsequenz aus der Finanz- und Wirtschaftskrise dürften jetzt nicht nur einzelne technische Lösungen sein. „Es geht um das System selbst“, betonte der Erzbischof. „Wir wollen keinen freien, wilden Kapitalismus, sondern eine weltweite Marktwirtschaft, die in Regeln eingeordnet ist.“ Marx nannte es die „größte Ungerechtigkeit“, dass die Gewinne bei den Banken blieben, die Risiken und Kosten der Krise aber auf die Allgemeinheit abgewälzt würden.

Starke Institutionen für Weltinnenpolitik

Märkte sind nach den Worten von Marx keine anonymen Mächte. „Für Christen gibt es nur eine Macht, die wir anerkennen, alles andere müssen wir mitgestalten.“ Für eine Weltinnenpolitik brauche es neben starken Institutionen und gesetzlichen Regeln auch die Selbstverpflichtung von Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften, und das Engagement jedes einzelnen Menschen. Jeder, so der Erzbischof, sei auch Akteur und trage einen Teil Verantwortung.

Kritik an Gewinnmaximierung

Andreas Barner, der Sprecher der Pharmafirma Boehringer Ingelheim, kritisierte das an Gewinnmaximierung orientierte Denken von börsennotierten Firmen. „Wir müssen weg von dieser Fixierung auf Quartalsberichte“, forderte Barner.  Er hält Börsenkurse für den „schwächsten Indikator für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens“. Viel entscheidender sei eine nachhaltige Firmenpolitik wie sie viele kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland betrieben.
Barner plädierte für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, das Arbeitsplätze erhalte, neue Jobs schaffe und auch armen Ländern Entwicklung ermögliche. Voraussetzung dafür seien in Deutschland Investitionen in Forschung und Bildung. „Wir müssen vor allem auch die Chancen von Kindern bildungsferner Schichten substanziell verbessern“, betonte Barner.

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