Logo & Link zu der Startseite

Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Bischof Algermissen: "Abzug aus Afghanistan!"

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hat zu mehr öffentlichem Widerstand gegen die deutsche Afghanistan-Politik aufgerufen. Die Wähler sollten bei ihren Abgeordneten darauf drängen, dass der Bundestag eine „verbindliche Abzugsperspektive“ für die Bundeswehr entwickle, sagte der Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi am Samstag auf dem Ökumenischen Kirchentag in München. Er wolle dies allerdings nicht als Wahlempfehlung für die Linkspartei verstanden wissen. Gegner des gegenwärtigen Kurses in Afghanistan gebe es in allen Fraktionen, betonte er.

Pläne eines sozialen und humanitären Aufbau sind gescheitert

Nachdrücklich wies Algermissen die Einschätzung der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischöfin Margot Käßmann zurück, nichts sei gut in Afghanistan. Ein solcher pauschaler „Rundumschlag“ sei nicht akzeptabel, „wenn nicht dumm“, betonte er. Dies werde den zivilen Hilfsprojekten in dem Land nicht gerecht. Zugleich übte der Fuldaer Bischof scharfe Kritik am Engagement des Westens am Hindukusch. Die ursprünglichen Planungen eines sozialen und humanitären Aufbaus seien gescheitert. Zudem sei die Vorstellung illusorisch, in Afghanistan sei eine Demokratie nach europäischem Modell einzuführen. Wenn der Westen daran festhalte, seien seine Truppen in 50 Jahren noch dort. „Davor graut es mir“, so Algermissen wörtlich. Zugleich betonte er, ein Abzug innerhalb weniger Monate wäre unrealistisch.

Erhebliche Fehleinschätzung der USA


Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), verteidigte die Ziele des Westens. „Wir können nicht aus Rücksicht auf die kulturellen Traditionen des Landes auf die Respektierung der Menschenrechte verzichten“, betonte er. Zugleich räumte er erhebliche Fehleinschätzungen der USA und ihrer Verbündeten ein. Ihnen sei anfangs nicht klar gewesen, wie sehr Afghanistan nach 30 Jahren Krieg zunächst eine Versöhnung seiner Konfliktparteien brauche.

Winfried Nachtwei: "Elende Militärfixierung"

Der Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei warnte ebenfalls vor einem schnellen Abzug. Dies würde zu einem humanitären und weltpolitischen Desaster führen. Er forderte aber eine Abkehr von der „elenden Militärfixierung“. Der Westen müsse die traditionellen Formen von Konfliktlösungen in Afghanistan etwa mit Hilfe von zivilen Friedensdiensten fördern, statt seine Methoden einführen zu wollen, verlangte er. Mehr Respekt gegenüber der afghanischen Bevölkerung mahnte auch Reinhard Erös an, der zivile Projekte in dem Land aufbaut. Vor allem den US-Truppen warf er massiven Rassismus vor.

Mein ÖKT