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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Grün: Priester sollten zwischen Zölibat und Ehe wählen können

Anselm Grün

Katholische Priester sollten nach Meinung von Benediktinerpater Anselm Grün zwischen den Lebensformen Zölibat und Ehe wählen können. „Die Ehelosigkeit ist ein möglicher Weg, den ich auch selbst praktiziere, aber für mich sind beide Wege richtig“, sagte Grün am Donnerstag. Mit dem Festhalten am Zölibat habe sich die Kirche viele Chancen genommen.

„Wir sollten mit dem Thema entkrampfter und ehrlicher umgehen.“ Der Autor zahlreicher Bücher äußerte sich bei der Veranstaltung „Selber dürsten und anderen das Wasser reichen? Darf Kirche beschädigt sein?“ Die Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche zeigten, dass verdrängte Sexualität immer nach einem Ausweg suche, sagte Grün. Der Zölibat könne zu einer gelingenden Lebensform werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien. So sollten Priester Lust am Leben haben, gute Beziehungen und enge Freundschaften sowohl zu Frauen als auch zu Männern pflegen und Freiräume für Kreativität und Spiritualität schaffen, empfahl der Ordensmann.

Leugnung der eigenen Bedürfnisse als Wurzel des Übels

Der Pastoralpsychologe Hans-Friedrich Stängle nannte eine „Ideologie des bedürfnislosen Helfers verantwortlich für manches Unheil in der Kirche“. Die Leugnung der eigenen Bedürfnisse sei die Wurzel des Übels, dessen Folgen in den letzten Monaten schmerzhaft spürbar seien, sagte der Leiter der evangelischen Therapieeinrichtung „Haus Respiratio“ im bayerischen Schwanberg. Die Arbeit an der eigenen Person sei eine Grundvoraussetzung, um professionelle Seelsorge zu betreiben. Hingegen könne eine emotionale Selbstverstümmelung zu massiven Beziehungsstörungen bis hin zu destruktiver Ausbeutung in Form von Missbrauch führen, sagte Stängle. Die Kirche dürfe zwar „beschädigt“ sein, aber sie dürfe nicht anderen schaden. „Sie muss den Menschen frisches Wasser reichen, nicht die stinkende Brühe sadistischen Missbrauchs“, betonte der Therapeut.

Ursache für Missbrauch

Der Psychologe und katholische Theologe Wunibald Müller erklärte, die aktuelle Krise in der Kirche habe zu einer „Ent-täuschung“ im Wortsinn geführt. „Jede Ent-täuschung bringt uns der Wahrheit näher, und das ist gut so“, sagte der Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach. Als eine mögliche Ursache der Missbrauchsfälle nannte er die Anfälligkeit vieler Priester, besonders gut sein zu müssen und nicht zu ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen. Stattdessen müssten auch zölibatär Lebende Ja sagen zu ihrer Sexualität, zu ihrer Begrenztheit und manchmal auch zu ihrer Erbärmlichkeit, forderte Müller.

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