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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

6.000 Menschen feiern Käßmann bei Bibelarbeit

Schon vor dem ersten Wort bekommt sie Ovationen: Margot Käßmann ist zehn Minuten vor Beginn ihrer Bibelarbeit auf die Bühne gekommen – schon stehen mehr als 6.000 Zuhörer auf und überschütten die ehemalige Ratsvorsitzende der EKD mit Beifall. Von „einem besonderen Moment für uns alle“, spricht Kirchentagspräsident Eckhard Nagel bei seiner Begrüßung – wieder Jubel. Der erste große Auftritt von Margot Käßmann nach Alkoholfahrt und Rücktritt wird zum Triumph, die Halle ist überfüllt, dutzende Kameraleute ringen um die besten Plätze.
Käßmann selbst bleibt bei all dem betont sachlich: „Danke, das tut mir gut“, antwortet sie knapp auf die Begrüßung – und widmet sich ihrem Text, der Erzählung von Gottes Bund mit Noah nach dem Ende der Sintflut.

"Es gibt eine neue Chance"

Bei ihrer Auslegung schimmert immer wieder persönliche Erfahrung durch: „Was, wenn dein ganzes bisheriges Leben unterzugehen scheint, weil eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert wird. Weil der Ehepartner dich verlässt. Das sind Untergangserfahrungen, in denen wir uns fragen, wie Gott erretten kann. Ob es einen neuen Anfang geben kann.“ Käßmanns Antwort: So wie Gott mit Noah und der Welt neu anfängt und als Zeichen dafür den Regenbogen in die Wolken setzt, so gelte auch heute: „Ja, es gibt eine zweite Chance.“ Und weiter, mit Blick auf Alkoholfahrt und Rücktritt: „Wir kennen als Christinnen und Christen keinen Gott, der nur das Perfekte gelten lässt und alles andere verachtet.“

Stimmen zu Käßmanns Bibelarbeit

Visionen für ein Leben nach der Sintflut

Ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr erneuert die 51-jährige. Die massive Aufstockung der Ausgaben für die Schutztruppe sei gegenüber der weit geringeren Erhöhung der Entwicklungshilfe unverhältnismäßig. „Ich jedenfalls kann darin keinen ‚Vorrang für zivil´ sehen, wie wir ihn als evangelische Kirche immer gefordert haben. Wo sind denn da Visionen für ein Leben nach der Sintflut?“ Genau um solche Visionen  aber gehe es im christlichen Glauben: „Wir sollen daran gehen, die Welt zu verbessern.“

Anhaltende Begeisterung für Käßmann

Es ist wohl die Verbindung von biblischem Zeugnis und persönlicher Lebenserfahrung, die die anhaltende Begeisterung für Margot Käßmann ausmacht: „Es ist doch kaum einer hier in der Halle, der nicht selbst Erfahrungen von Sintflut mitbringt wie Krankheit, Scheidung oder den Verlust des Arbeitsplatzes“, meint Manuela Kasper, die aus Bergkamen zum Kirchentag gekommen ist. „Margot Käßmann zeigt uns einen glaubwürdigen Weg, den Glauben trotz solcher Erfahrungen nicht zu verlieren.“

Videos: Carola Kallweit, Regina Mennig

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