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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Ein Gott, zwei Religionen - wenn Christen und Muslime heiraten

Martina und Azzam Zeitoun

Ihren Mann Azzam hat Martina Zeitoun vor zehn Jahren in Freiburg kennen gelernt. Bei einem der ersten Treffen fragte sie ihn, ob er an Gott glaube, er sagte ja. Sie beten zum selben Gott, allerdings ist Martina Azzam evangelisch, ihr Mann Muslim. Auf der Podiumsdiskussion "Sie trauen sich! Christlich-muslimische Ehen und Familien" berichten die beiden von ihren Erfahrungen.

"Die schwierigste Phase ist der Anfang, wenn die Hochzeit ansteht", sagt Martina Zeitoun aus Bayern. Schwieriger noch als die Gespräche innerhalb der Partnerschaft seien die Diskussionen mit der Familie und dem Umfeld gewesen. Noch dazu, weil die junge Ärztin ihren Mann aus dem Libanon kurz nach dem 11. September heiraten wollte. "Er könnte doch ein Schläfer sein", sagte jemand zu ihr. Die Vorurteile aus dem Weg räumen, den anderen verstehen lernen, dass war und ist eine ihrer größten Aufgaben. 

Bei der Verständigung mit der Familie können auch Geistliche unterstützen: "Die Pfarrer können in die Familien gehen, strittige Themen besprechen und Ängste nehmen", sagt Susanna Faust Kallenberg, Pfarrerin aus Frankfurt am Main.

Viele Besucher leben selbst in einer konfessions-verbindenen Ehe

"Lieber holen wir uns einen Hund"

Nach einem Jahr haben die beiden nach muslimischem Ritus geheiratet. "Wir haben fürchterlich viel diskutiert", sagt Martina Zeitoun. Auch über ihren Glauben und darüber, wie sie ihre Kinder erziehen wollen. In diesem Punkt steht für Azzam Zeitoun fest: "Für mich ist wichtig, dass meine Kinder Muslime sind." Der Ingenieur betont, dass er die Religion seiner Frau respektiere, nur eben die Kinder sollten muslimisch werden. Es sei ihm auch wichtig, dass sie offen für andere Religionen erzogen werden.

Martina Zeitoun zu ihrer Entscheidung, die gemeinsamen Kinder als Muslime zu erziehen


"Es ist sehr wichtig, dass von Anfang an Klarheit herrscht, wie ein Kind aufwächst", betont Imam Abdelmalik Hibaoui. "Viele Ehen gehen in die Brüche, weil sich die Eltern nicht einigen können", ergänzt er. Das möchte Azzam Zeitoun auf jeden Fall verhindern. Bevor er seine Ehe aufs Spiel setzt, verzichtet er lieber auf Kinder: "Lieber holen wir uns einen Hund, damit es keinen Streit gibt", sagt er im Scherz.

Azzam Zeitoun über die schwierige Einigung in Sachen Religionserziehung


Martina Zeitoun ist damit einverstanden, dass ihre Kinder nicht evangelisch, sondern muslimisch erzogen werden. "Es stärkt auch die Bindung zum Vater, wenn er für die religiöse Erziehung zuständig ist", sagt sie.

Martina Zeitoun dazu, ob es ihr schwerfällt, auf die Taufe ihrer Kinder zu verzichten


Bis sich Martina Zeitoun und ihr Mann Azzam einigen konnten, war es ein langer Weg: "In den ersten Jahren wäre es schwierig gewesen, Kinder zu haben", räumt sie ein. Nun wird es bald ernst: Martina Zeitoun erwartet im November 2010 ihr erstes Kind. Trotz aller Schwierigkeiten sieht die 31-Jährige auch positive Seiten: "Unsere religiöse Verschiedenheit ist eine unglaublich große Bereicherung", sagt sie. Und erntet zustimmenden Applaus vom Publikum. Julia Jendrsczok und Monika Konigorski

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