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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Kritik an "Instrumentalisierung des Abendmahls"

Zum Auftakt des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) haben führende Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche die Ökumene als alternativlos bezeichnet und die "Politisierung des Abendmahls" kritisiert.

Der evangelische Kirchentagspräsident Eckhard Nagel sagte am Mittwoch vor Journalisten in München, ohne eine engere Zusammenarbeit der Kirchen sei die Zukunft des Christentums nicht denkbar. Der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück erklärte unter Verweis auf die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie den drohenden Klimawandel, selten zuvor seien so viele Menschen in Deutschland auf der Suche nach Orientierung. Die Christen könnten gemeinsam Hoffnung geben und ein Angebot an Werten machen.
Nagel sagte, der Kirchentag solle die ganze Bandbreite des christlichen Lebens in Deutschland darstellen. Das in den vergangenen Wochen intensiv diskutierte Thema Missbrauch werde durch mehrere Veranstaltungen ernst genommen, solle das Christentreffen aber nicht dominieren.

Ordnungen der Kirchen sollen respektiert werden

Glück und Nagel kritisierten Aufrufe kirchlicher Reformgruppen, die Christen verschiedener Konfessionen zur Teilnahme an Eucharistie- und Abendmahlsfeiern der jeweils anderen Konfession aufgerufen hatten. Die Teilnahme an den Mahlfeiern sei eine ganz persönliche Entscheidung und bedeute eine sehr individuelle Begegnung mit Gott, sagte Glück. Es sei nicht hilfreich, sie politisch zu instrumentalisieren. Nagel erklärte, es sei „traurig“, dass die Abendmahlsfrage immer wieder politisiert werde. Die Veranstalter des ÖKT hätten sich im Vorfeld entschieden, die jeweiligen Ordnungen von katholischer und evangelischer Kirche zu respektieren.

Erzbischof Marx: "Ökumene des Vertrauens"

Der Münchner katholische Erzbischof Reinhard Marx sagte, die Vorbereitungen auf den Kirchentag hätten gezeigt, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen möglich sei. „Wir haben eine Ökumene des Vertrauens entwickelt“, fügte Marx hinzu, der zusammen mit dem evangelischen bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich Gastgeber des Christentreffens ist. „Wir versuchen, Gemeinsamkeiten zu gestalten und gleichzeitig den jeweils anderen seine Gestalt christlichen Lebens entfalten zu lassen.“ Ökumene sei keine Nebensache, sondern eine Hauptsache. Marx räumte zugleich ein, dass „wir noch nicht alles gemeinsam tun können, nicht nur in der zentralen Frage der Eucharistie. Auch unsere Strukturen und unsere jeweiligen Kulturen sind verschieden“. Die Christen könnten aber gemeinsam Verantwortung übernehmen „für ein gelingendes Leben der Menschen hier bei uns und weltweit“.

"Abgrenzungen werden immer weniger verstanden"

Auch Friedrich lobte eine gute Zusammenarbeit der Kirchen bei der Vorbereitung des ÖKT. „Ich wünsche mir, dass der Kirchentag zu einem kräftigen ökumenischen Zeichen in unserer Gesellschaft und für unsere Kirchen wird“, sagte er. Die Ökumene sei keine Kür, sondern Pflicht für die Kirchen. Die Abgrenzungen und die Auseinandersetzungen zwischen den Kirchen würden von der Gesellschaft immer weniger verstanden. „Wenn wir in Zukunft eine gesellschaftliche Kraft bleiben wollen – und das wollen wir – müssen wir, wo immer es möglich ist, gemeinsam sprechen und handeln“, sagte der Landesbischof.

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