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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Verfassungsrechtler: Islamischer Feiertag in Deutschland möglich

Das Hauptheiligtum des Islam - Masdschid-i Haram mit der Kaba im Zentrum - Die Pilger umschreiten die Kaba, wenige Tage vor dem Opferfest. Foto: flickr.com

Der Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde hält die Einführung eines islamischen Feiertags in Deutschland für möglich. „Warum sollte man bei einer Zahl von rund 3,5 Muslimen in der Bundesrepublik nicht darüber nachdenken?“, so Böckenförde im Rahmen der Veranstaltung „Wie weit geht die Religionsfreiheit?“, an der unter anderem auch der frühere Berliner Bischof Wolfgang Huber teilnahm. Die Religionsfreiheit sei ein Menschenrecht, dass gleichermaßen für jeden Einzelnen zu gelten hätte, so der Verfassungsrechtler.

Böckenförde kritisierte darüber hinaus die Entscheidung des Verfassungsgerichts sowie des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die Anwesenheit von Kreuzen in Klassenräumen als Eingriff in die negative Religionsfreiheit zu bewerten. „Die Religionsfreiheit der Kinder wird nicht dadurch eingeschränkt, dass an der Wand ein Kruzifix hängt“, so Böckenförde. Niemand werde dadurch zu einem christlichen Bekenntnis aufgefordert. Problematischer sei die Situation beim Thema gemeinsames Schulgebet.

Christlicher Glaube als verbindende Kraft

Ähnlich äußerte sich Bischof Huber, der vor einem Vorrang der negativen Religionsfreiheit, also der Freiheit, keinen Glauben zu bilden, vor der Freiheit der Religionsausübung warnte. Wenn die Balance zwischen Beidem nicht gegeben sei, entstehe eine „Gefahr für die Religionsfreiheit“, so Huber. Zugleich betonte er die Bedeutung des Christentums für Kultur und Gesellschaft. Der christliche Glaube könne als verbindende Kraft einen wichtigen Beitrag für eine menschliche Gesellschaft leisten.

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"Mehr Selbstbewusstsein in Sachen Religion"

Gleichzeitig widersprach Huber der These, die Modernisierung eines Staates gehe einher mit der Säkularisierung. „Diese Überzeugung ist falsch“, betonte Huber mit Hinweis auf die USA als einem Staat, der sowohl modernen als auch religiös geprägt sei. Als Konsequenz forderte Huber „mehr Selbstbewusstsein in Sachen Religion“. Um Religionsfreiheit zu schützen, sei es wichtig auch von ihr Gebrauch zu machen. „Religiöser Analphabetismus ist keine gute Grundlage, um die Religionsfreiheit anderer zu achten“, so der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Wahrheitsanspruch ist jeder Religion immanent

Die Theologieprofessorin Saskia Wendel betonte, der Kern dafür, dass von einer Religion eine Gefahr ausgehen könne, sei in ihrem universellen Wahrheitsanspruch verankert. „Religionen werden dann gefährlich, wenn vergessen wird, das dieser Geltungsanspruch auch vernünftig gerechtfertigt werden muss“, so Wendel. Fundamentalismus entstehe dann, wenn nicht beachtet werde, dass dieser Wahrheitsanspruch, der jeder Religion immanent sei, auch Vertretern anderer Religionsgemeinschaften zuerkannt werden müsse.

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