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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Kardinal Lehmann: Einheit ohne "Superkirche"

Um „eine Kirche“ zu werden, wollen und müssen die christlichen Kirchen der Welt ihre eigene Identität nach Ansicht des Mainzer Kardinals Karl Lehmann nicht aufgeben.

Eine „Superkirche“ mit gemeinsamer Finanzverwaltung und gemeinsamer Administration sei zur Verwirklichung der kirchlichen Einheit nicht erforderlich, sagte der frühere Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz am Samstagnachmittag beim Ökumenischen Kirchentag in München. Vielfalt in Liturgie und Tradition sei erlaubt.
Voraussetzung der Einheit sind für Lehmann aber fünf gemeinsame Elemente: das gemeinsame Bekenntnis, die gegenseitig anerkannte Taufe, Gemeinschaft im Abendmahl, gemeinsamer Dienst als Ausdruck christlicher Berufung sowie Übereinstimmung im Grundverständnis des Amtes. In einem solchen „Ensemble von Elementen“ für ein Modell von Einheit der Kirche könne sich auch die katholische Kirche wiederfinden. Die „Gestalt des Petrusamtes“, also die Frage des Papsttums, sei zwar noch ungeklärt, räumte Lehmann ein. Er fügte aber hinzu: „Die katholische Kirche erwartet nicht, dass die Einheit der Kirche den Papst in dieselbe Stellung hebt beziehungsweise darin belässt, die er für sie selbst hat.“

"Zur Einheit berufen"

Walter Fleischmann-Bisten vom Konfessionskundlichen Institut der evangelischen Kirche im südhessischen Bensheim wies darauf hin, dass sich in allen Religionen und Regionen „neue konfessionalistische und nationalistische Tendenzen“ breitmachten. Gerade deshalb müssten sich die Kirchen daran erinnern, „dass wir zur Einheit berufen sind“. Als größtes Hindernis auf dem Weg zur kirchlichen Einheit bezeichnete der Theologe – neben der Ordination von Frauen und dem Gegensatz zwischen dem Priestertum aller Gläubigen und dem Weihepriesteramt – die Funktion des Papstes. Auch Fleischmann-Bisten ließ indes offen, ob eine „universales Einheitsamt zur Leitung der Kirche“ überhaupt nötig sei.

Rosemarie Wenner beklagt "Sektenverdacht" bei Freikirchen

Der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), der Wiener Bischof Michael Bünker, machte sich für eine Einheit „in versöhnter Verschiedenheit“ stark. Gemeinschaft sei wichtiger als Einheitlichkeit. Für die evangelischen Freikirchen unterstützte Rosemarie Wenner das GEKE-Modell. Voraussetzungen für Einheit seien ein gemeinsames Verständnis des Evangeliums und eine stärkere Betonung der Mission. Die  Anerkennung der Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehr- und Leitungsamts schloss die  methodistische Bischöfin aus. Sie beklagte auch, dass Freikirchen zum Teil unter „Sektenverdacht“ stünden.
Der orthodoxe Metropolit von Deutschland, Augoustinos, machte deutlich, dass die Kirche ein Teil des Glaubens sei. „Jesus ja, Kirche nein – das geht nicht“. Jesus habe eine Kirche gründen wollen. Die Trennung sei Menschenwerk. „Sie muss rückgängig gemacht werden.“

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