Von Verlustängsten und Finderglück

- Michael Valtinat verwahrt Fundstücke.
Vom Stadtplan bis zum Gebiss: Im Keller der Münchner Messe sammeln fleißige Helfer alles, was andere verlieren. Auf Platz eins liegt der Regenschirm, der Trend geht zum verlorenen Knirps. ÖKT-Reporterin Christine Ketzer will wissen, was auf der Messe gefunden wird.
Eins steht schon mal fest: Ein Kuriositätenkabinett ist das Fundbüro des Kirchentages nicht. Sitzkissen, Fleece-Jacken, ein Stadtplan von München - es sind vor allem Alltagsdinge, die hier gesammelt werden.
Oder gibt's doch was Kurioses? Fundbüro-Helfer Michael Valtinat:
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Der Tresen mit Publikumsverkehr und das Lager der besitzlosen Gegenstände werden durch schwere schwarze Vorhänge getrennt: Eine Vorsichtsmaßnahme, damit keinem Besucher beim Anblick eines teuren einsamen Handys plötzlich einfällt, dass er vor kurzem seltsamerweise genau dasselbe verloren hat... Doch diese Gefahr ist auf dem ÖKT in München gering.
Luxus ist Mangelware
Nicht nur, weil die ÖKT-Besucher ausgesprochen ehrliche Menschen sind - man erinnere sich an das Gebot "Du sollst nicht stehlen" - sondern auch deshalb, weil die Fundstelle vor allem Alltagsgegenstände beherbergt. Nur vereinzelt harrt ein Ipod oder ein Mobiltelefon auf seinen Besitzer. Das wertvollste Objekt ist momentan ein Schlüsselbund, an dem mehrere Schließanlagen-Schlüssel hängen.
Statt dessen beinhalten die Kartons Modeschmuck und Kleinkram wie Brillen oder Brillenetuis. An den Garderobenstangen hängen Jacken und Käppis. Das Lager hat Struktur, und jedes Ding hat einen gelben Zettel, auf dem Abgabe und Abgeber verzeichnet sind. "Auf dem Kirchentag in Bremen hatten wir viele digitale Kameras, hier in München nicht", wundert sich Michael Valtinat, der schon zum zweiten Mal die Fundstelle eines kirchlichen Großevents betreut.
Religiöse Fundstücke: Fehlanzeige
Gibt es typische Münchner Fundstücke? Nein. Religiöse Fundstücke? "Ja, wir haben ein kleines Marienamulett bekommen." Doch der Anhänger mit "Erinnerungswert", den Michael Valtinat präsentiert, wird sicherlich niemals abgeholt werden. Das Marienamulett ist ein Werbepräsent des Hilfswerks "Kirche in Not" und wird vor Halle A1 verschenkt.
Michael Valtinat über typische Fundbürotage:
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Die Grenze zwischen Fundstück und Müll ist schwammig. Hinterlegte oder entsorgte Dinge nehmen auch die kommunalen Fundbüros nicht an. Doch was ist mit der Baumwolltasche mit Werbematerial und Postkarten? Vergessen - oder nur genervt vom Tragen? "Wir dürfen nichts wegschmeißen", sagt Michael Valtinat, und Bedauern schwingt in seiner Stimme mit.
Bis zum Sonntag sammeln er und sein Team - zwölf Personen, aufgeteilt auf täglich drei Schichten zwischen 9 und 23 Uhr - alles, was angeliefert wird. Dann übergeben die freiwilligen Helfer dem offiziellen Münchner Fundbüro all das, was noch niemand abgeholt hat.



