Mit Sicherheit in Lebensgefahr: Kolumbiens Menschenrechtler
Gerade hat die EU ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien abgeschlossen, dabei lässt die Regierung Úribe nach wie vor Kleinbauern vertreiben und Menschenrechtler verfolgen. Auf dem Kirchentag berichten Flor Gallego und Liliana Úribe von ihrem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit – und der Todesangst, mit der sie leben müssen.

- Flor Gallego, Foto: Jochen Schüller
Das Dorf Vereda la Esperanza schläft tief und fest, als ein weißer Lieferwagen vor Florinda Gallegos Elternhaus parkt. Noch ahnt niemand, dass sich ihr Leben wenige Minuten später für immer ändern wird. Gallegos Stimme zittert, wenn sie davon erzählt: Wie fünf schwer bewaffnete Soldaten in ihr Elternhaus eindrangen und alles verwüsteten. Wie sie ihren Ehemann Hernando und den kleinen Andrés über die Schwelle des gemeinsamen Hauses zerrten. Gallego stand dabei, vier Kleinkinder hinter sich und eines im Bauch, flehend, fluchend – umsonst. Von Hernando Castaño fehlt seither jede Spur.

- Friedhof der Verschwundenen in Kolumbien, Foto: Jochen Schüller
Flor Gallegos Schicksal ist nichts Besonderes in einem Land, in dem sich Armee, paramilitärische Gruppen und Guerilla seit 50 Jahren einen blutigen Bürgerkrieg liefern. Regierungsnahe Todesschwadronen vertreiben dort täglich 1.000 Bauern von ihrem Land, lassen jährlich tausende Gewerkschafter, Menschenrechtler und Kleinbauern „verschwinden“. FARC-Terroristen seien die Toten gewesen, behauptet die Regierung. „Sie waren im Weg“, sagt Liliana Úribe, die mit dem Präsidenten nur den Nachnamen gemein hat.
Flor Gallego und Liliana Úribe sind beide Mitte vierzig, Frieden haben sie nie kennengelernt. Beide kennen das Risiko ihres Engagements. Über Einbrüche in ihr Büro, überwachte Mails und geklaute Telefonnummern spricht Úribe wie über das Wetter; einmal musste sie für Monate ins Ausland gehen, weil es für sie in Kolumbien zu gefährlich wurde. Angst? Hat sie keine. Und man glaubt ihr: So wie sie spricht – atemlos, mit flatternden Händen – hatte sie noch gar keine Zeit dafür.
Liliane Úribe über den Einfluss der EU in Kolumbien
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