Tadeusz Dabrowski
Nach deinem Tod bat Mama um was auch
immer kurz darauf sah sie im Traum einen Lichtstrahl
vom Himmel herabkommen sie klammerte sich
an ihn ihren Strohhalm Tante und Onkel auch
Oma und Kusinchen auch bis er brach. Jetzt
hängt er hoch über unseren Köpfen erinnert
an ein geflochtenes Hanfseil. Wenn Wind geht
zeichnet sein Ende
unsichtbare Buchstaben in die klare Luft.
Aus dem Polnischen von Andre Rudolph
Wenn du noch du selbst bist, kannst du nicht keine Sehnsucht haben
nach dem Hühnerfrikassee, dem Kulturprogramm im Radio, nach Frank
Black, Woody Allen, Tarantino und mir.
Es müssen dir die Momente des Zweifels fehlen, dank derer
du warst, wer du warst. Ich erwäge auch diese
Möglichkeit: Du bist reine Begeisterung, ein Wölkchen
Lust. Doch was willst du dann von mir und ich
von dir? Aber in Wirklichkeit sitzt du unter einem ausladenden
Baum, beschmiert mit dem klebrigen Fleisch des Juli,
hörst, daß ich dich rufe, antwortest aber nicht,
um den Vogel nicht zu verscheuchen, der eine schmerzhaft
glückliche Raupe frißt. Du schweigst absolut
sicher, es dauere noch einen Augenblick
und ich werde dich finden.
Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
Tadeusz Dabrowski, geboren 1979 in Elblag (Polen), lebt in Gdansk (Polen).



