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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

2. Vatikanisches Konzil

von Bischof Dr. Gebhard Fürst

Wie Konzilien stets besondere Ereignisse in der Kirchengeschichte waren, ist auch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) das herausragende Ereignis für die katholische Kirche im 20. Jahrhundert. Es wurde mit der Absicht einberufen, eine neue Identitätsbe-stimmung der Katholischen Kirche unter den Bedingungen der Moderne zu ermögli-chen. Sein Verlauf und seine Beschlüsse sind von so grundlegender wie bleibender Be-deutung für die Katholische Kirche, dass die Einschätzung nicht übertrieben ist, die Ka-tholische Kirche werde mindestens ein Jahrhundert brauchen, um dieses Konzil zu ver-arbeiten und in seiner Wirkung für die Kirche auszuschöpfen. Für den ökumenischen Dialog zwischen den Konfessionen, aber auch mit den Weltreligionen sind die Erklä-rungen über den Ökumenismus sowie die Religionsfreiheit Initialzündungen, deren Ge-wicht kaum überschätzt werden kann. Zu nahezu allen Themen, die die Katholische Kirche bis heute nach Innen und nach Außen beschäftigen, hat das Zweite Vatikanum wegweisende Beschlüsse gefasst. Dabei wusste sich das Konzil insgesamt einer pastora-len Sichtweise verpflichtet und beantwortete theologische Fragen konsequent aus pasto-raltheologischer Perspektive.
Eine zentrale Errungenschaft des Konzils ist die Wiederentdeckung eines neuen Kir-chenbildes, das im Grunde an alte Einsichten anknüpft, in dem es sich an der Heiligen Schrift und frühchristlichen Traditionen orientiert: die Sichtweise der Kirche als Volk Gottes, Leib Christi und communio in der Kraft des Geistes hat hierin ihre Wurzeln und ihre tiefe Begründung. Mehr noch hat das Konzil die Kirche selbst so auf ein Selbstver-ständnis verpflichtet, das alle Menschen in den Blick nimmt, die Auseinandersetzung mit dem Zeitgenössischen wagt und darin eine Wachheit zeigt, durch die sie sich auch selbst verändern und weiterentwickeln lässt. Seither sind Dialog und christliche Zeitge-nossenschaft von unverzichtbarer Bedeutung für die Kirche. Dafür mag beispielhaft der Anfang der Pastoralkonstitution Gaudium et spes stehen: Dort werden Christen so cha-rakterisiert, dass sie als Jünger Christi "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten" (GS 1) teilen.

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