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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Abendmahl/ Eucharistie

von Dorothea Sattler/ Joachim Track

Die Kirchen verstehen das Abendmahl, die Eucharistie als Stiftung des irdischen Jesus. Die Einsetzung des Abendmahls hat ihre geschichtliche Mitte im letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Eingegangen sind in Verständnis und Gestaltung der Abendmahlsfeier Elemente jüdischen Gedenkens an das rettende Handeln Gottes in Israel, die Erinnerung an die Mahlgemeinschaften Jesu mit den Sündern und Zöllnern, das Gedenken an Jesu Weg ans Kreuz und seinen Tod als Dienst »für die vielen«, die Erfahrung der Gegenwart des Auferstandenen und der darin schon jetzt mit ihm eröffneten Mahlgemeinschaft bis zu seiner Wiederkunft.

Die unterschiedlichen Bezeichnungen für das Abendmahl heben verschiedene Aspekte hervor. Die Bezeichnung Abendmahl betont das Versöhnungsgeschehen. Die Bezeichnung Herrenmahl verweist auf das nachösterliche Verständnis des Mahls als Verkündigung des Herrn. Die in den orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche gebrauchte Bezeichnung Eucharistie (Danksagung, Danksagungsfeier) verweist darauf, dass Dank für die Gabe unsere erste Antwort ist.
Von Anfang war das Abendmahl nicht nur Ort erfahrener Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander, es wurde auch Anlass zu Streit und Trennungen. Zugleich gehört zur Geschichte des Abendmahls das immer neue Bemühen um Verständigung und Einheit. In den Kontroversen zwischen Reformierten und Lutheranern kam es in der Leuenberger Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (1973) zu einer weitreichenden Verständigung. Kirchengemeinschaft wurde erklärt und einander Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft gewährt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab es eine Reihe fruchtbarer evangelisch-römisch-katholischer Dialoge, auch im Rahmen des Ökumenischen Rates der Kirchen (etwa die Konvergenzerklärungen von Lima zu Taufe, Eucharistie und Amt von 1982). Bei allen bleibenden Unterschieden zeichnet sich in den lange strittigen Fragen (Gegenwart Christi und Verständnis seiner Präsenz im Abendmahl, Opferverständnis und Fragen der Wiederholung und der Vergegenwärtigung des Opfers Christi, die Gabe des Abendmahls und ihr Empfang im Glauben) ein gemeinsames Verständnis ab.

Miteinander können wir heute sagen:

  1. Im Abendmahl begegnet und schenkt sich uns Jesus Christus selbst (christologischer Aspekt).
  2. Im Abendmahl geschieht die Erinnerung und Zueignung des Versöhnungsgeschehens in Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Im Essen des Brotes und dem Trinken des Weines erhalten wir Anteil an dem einmaligen Opfer Jesu Christi (soteriologischer Aspekt).
  3. Im Abendmahl bietet uns Jesus Christus seine Gemeinschaft an und will unter uns eine Gemeinschaft des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung stiften. Das Teilen von Brot und Wein und die Gemeinschaft um den Tisch des Herrn werden zum sichtbaren und öffentlichen Zeichen der Einheit. In jeder Abendmahlsfeier wird die feiernde Gemeinde in die Gemeinschaft aller Glaubenden und in die Gemeinschaft mit der Welt gestellt, der Gottes Erlösungswillen gilt (ekklesiologischer Aspekt).
  4. Im Abendmahl werden wir dazu befreit, aus der Kraft der Vergebung zu leben, anderen zu vergeben und Vergebung anzunehmen. So befreit und erneuert können und sollen wir – gesandt zu Zeugnis und Dienst in die Welt – andere aufrichten, trösten, ermutigen, für sie eintreten und uns für die Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen (ethischer Aspekt).
  5. Im Abendmahl feiern wir in Hoffnung den Anbruch des kommenden Reiches Gottes und die Erneuerung der Schöpfung. Es ist prophetisches Zeichen für den universalen Heilswillen Gottes und seine zukünftige Herrschaft, in der Gott alles in einem sein wird. So wird das Abendmahl zum Fest der Vergebung mitten in aller Schuld, zum Fest der Freude mitten in der Trauer, zum Fest der Gemeinschaft mitten in allen Trennungen (eschatologischer Aspekt).


Weiterhin strittig ist, ob das Abendmahl nur dann recht gefeiert wird und gültig ist, wenn es von einem geweihten Priester vollzogen wird (Bindung des Abendmahls an das Weihesakrament, Auseinandersetzung um das Amtsverständnis) und wenn Übereinstimmung im Kirchenverständnis besteht. Zur Verständigung, zu wechselseitiger eucharistischer Gastbereitschaft und zu einer gemeinsamen Abendmahlsfeier sind die Kirchen erst unterwegs. So ist das Abendmahl als Zeichen der Einheit der sichtbaren Kirche zugleich schmerzliche Erinnerung an den Skandal der Trennung christlicher Kirchen und Herausforderung, diese Trennung zu überwinden. Wer mit dem Abendmahl verantwortlich umgeht, freut sich weder an der Trennung noch an einer alle Unterschiede nivellierenden Gemeinschaft. Er reduziert die Spannungen nicht, sondern sucht in der Spannung nach den angemessenen Schritten im Unterwegs.

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