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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Amt

von Dorothea Sattler/ Joachim Track

Eine Verständigung über die kirchlichen Ämter und darüber, wie sie auszuüben seien, ist die schwierigste Aufgabe auf dem Weg zur Einheit der christlichen Glaubensgemeinschaft. Umstritten sind vor allem drei Fragen: Gibt es, erstens, einen Unterschied zwischen dem Wesen des Priestertums, das in der Taufe begründet ist, und dem Wesen des sakramentalen Amtes einzelner berufener und ordinierter Menschen? Entspricht, zweitens, die Entwicklung zur dreifachen Gestalt der Ämter Diakone, Priester, Bischöfe – göttlichem Willen, der von der Kirche stets beachtet werden muss? Und drittens: Darf es bei der Zulassung zu einem kirchlichen Amt Einschränkungen geben – wie den Ausschluss von Frauen oder den Zölibat? Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch im Verständnis des Papstamtes, im Blick auf die Unverzichtbarkeit synodaler Entscheidungswege, in der Frage, ob ein Amt auf Lebenszeit übertragen werden kann oder nur befristet, und in Bezug auf die Ordinationsformulare. Zwar zeichnen sich Annäherungen ab, bei den gefestigten konfessionellen Unterschieden ist jedoch noch nicht in Sicht, wie eine wechselseitige Anerkennung der Ämter erreicht werden könnte.
Mögliche gemeinsame theologische Grundlinien in den besonders strittigen Fragen zielen in folgende Richtung:

  1. Alle Getauften haben durch den Heiligen Geist Anteil an dem einzigartigen Priestertum Jesu Christi. Alle Christen sind berufen, in ihrem Leben durch Wort und Tat Zeugnis vom Erbarmen Gottes und von seiner Lebensmacht abzulegen. Sie haben Teil am Dienst der Sammlung und der Ermutigung und Anteil an den Gaben, die Gott allen Getauften durch den Heiligen Geist schenkt.
  2. Schon die neutestamentlichen Schriften belegen, dass die christlichen Urgemeinden unterschiedliche Dienste kennen, orientiert an den Erfordernissen am Ort — soziales Engagement etwa (Diakonat). Menschen stehen gottesdienstlichen Feiern der Gemeinde vor (Presbyterat) und nehmen – einzeln oder in Gremien – überregionale Aufsichtsdienste wahr (Episkopat).
  3. Die Verpflichtung der Priester und Bischöfe zur Ehelosigkeit ist zwar kirchliche Tradition, sie wird gegenwärtig jedoch nur noch in der römisch-katholischen Kirche beibehalten. Die Schriften des Neuen Testamentes (1. Korinther 7,1; Timotheus 3) legen sich nicht auf eine einzige Lebensform der Amtsinhaber fest.

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