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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Anglikanische Episkopalkirche

von Dorothee Hahn

Die Anglikanische Episkopalkirche ist Teil der weltweiten anglikanischen Kirchengemeinschaft, die aus 38 Gliedkirchen in 164 Ländern besteht. Diese Kirchen sind über den Erzbischof von Canterbury miteinander verbunden.

Geschichte

Erste Bibelübersetzungen in die Volkssprache, unter denen vor allen das Neue Testament William Tyndales (ca. 1494-1536) die englische Sprache bis heute prägt, erleichterten die Entwicklungen.
Die 1534 erfolgte  Trennung von Rom unter König Heinrich VIII. hatte vor allem staatpolitische Gründe. 1521 hatte der König vom Papst für eine Streitschrift gegen Luther den Ehrentitel "Verteidiger des Glaubens" erhalten, den alle Monarchen bis heute fortführen. 1539 führte der König mit den Sechs Artikeln, die kirchenpolitisch gegen den Papst den traditionellen katholischen Glauben wiederherstellen wollten, diese Reform fort. Erst unter Heinrichs Nachfolger Edward VI. (1547-53) gab es jedoch theologische Veränderungen in Liturgie und Lehre. Diese wurden stark beeinflusst von Reformatoren des Kontinent. So beriet Martin Bucer (1491-1551) Thomas Cranmer bei der Gestaltung des ersten "Book of Common Prayer" (BCP).
Die Entwicklung zur weltweiten Gemeinschaft begann erst unter Königin Elisabeth I. (1558-1603). Die von König Jakob I. veranlasste Bibelübersetzung, die "Authorized Version" ('King James Bible') nahm ab 1611 eine überragende Stellung in der gottesdienstlichen und privaten Glaubenspraxis ein. Bis heute ist Englisch die weltweit dominierende Gottesdienstsprache, doch gibt es mittlerweile auch anderssprachige Fassungen des BCP.

Organisation

Die "Mutterkirche" der Anglikanischen Gemeinschaft ist die Kirche von England. Auf kontinentaleuropäischem Boden gibt es vier anglikanische Jurisdiktionen. Neben den Kirchen in Spanien und Portugal gibt es aus historischen Gründen eine Diözese der Kirche von England, sowie die Convocation of Episcopal Churches in Europe (Zusammenschluss der Episkopalkirchen in Europa), die zur Episcopal Church der USA gehört und auch die drei bayerischen Gemeinden umfasst.

Lehre

Der Anglikanismus versteht sich als katholisch und reformiert. Eine spezifisch anglikanische Kirchenlehre gibt es nicht: Das Besondere gegenüber anderen christlichen Kirchen liegt zum einen in der Verbindung biblischer Autorität mit den Glaubensbekenntnissen (Apostolicum, Nicaenum) und den Lehren der ersten vier ökumenischen Konzile, sowie den reformatorisch geprägten Formen der Liturgie und dem Verständnis des geistlichen Amtes vor allem im BCP und in den Neununddreißig Artikeln andererseits. Ferner bietet das Lambeth Quadrilateral von 1888 eine Aussage über die Basis des Glaubens: die Schriften des Alten und Neuen Testaments, die "alle Dinge enthalten, die zum Heil notwendig sind"; die zwei Glaubensbekenntnisse als Ausdruck der Glaubenswahrheit; die beiden von Christus selbst eingesetzten Sakramente (Taufe und Abendmahl; die fünf "kleineren" Sakramente sind darüber hinaus anerkannt); sowie der historische Episkopat in apostolischer Sukzession mit dem einen dreistufigen Amt (Diakon, Priester, Bischof). Frauen ist zwischenzeitlich in vielen anglikanischen Kirchen neben dem Diakonat auch die Priester- seltener die Bischofsweihe zugänglich.

Liturgie und Gottesdienst

Jede Gliedkirche der anglikanischen Gemeinschaft hat ihre eigene Liturgie; Ausgangspunkt ist hierbei das BCP von 1662. Neben den sonntäglichen Eucharistiefeiern stehen von alters her die Tagesgebete. Die Kirchenmusik nimmt dabei eine besondere Stellung ein, deren Reichtum noch in der kleinsten Gemeinde intensiv gepflegt wird.

Ökumene

Aufgrund ihres Selbstverständnisses sieht sich die anglikanische Gemeinschaft in einer privilegierten ökumenischen Position. Das Lambeth Quadrilateral dient hier als Basis für intensive ökumenische Dialoge. Für das anglikanisch/römisch-katholische Gespräch veröffentlicht die Anglikanisch/Römisch-Katholischen Internationalen Kommission seit 1970 die Dialoge. Im Verhältnis mit den nachreformatorischen Kirchen ist die Meißener Gemeinsame Feststellung von 1988 mit der EKD als Zeichen fortschreitender Annäherung hervorzuheben. Seit 2006 besteht volle Kirchengemeinschaft zwischen der Episkopalkirche und der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Amerika. Auch ein Anglikanisch-Orthodoxer Dialog besteht seit vielen Jahrzehnten. Am engsten ist die Verbindung zu den Alt-Katholiken, mit denen seit 1932 volle kirchliche Gemeinschaft besteht.

Statistik

Anglikanische Kirchengemeinschaft: ca. 80 Millionen

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