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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Ethik

von Dorothea Sattler/ Joachim Track

Ökumenische Gespräche erörtern im Wesentlichen ethische Themen und Fragen der Glaubenslehre. Die Erkenntnis, sich weltpolitischen, sozialethischen und individualethischen Herausforderungen, welche die Kreatur bedrängen, miteinander stellen zu müssen, ist eine wichtige Motivation ökumenischen Handelns: Wie können die Lebensgrundlagen für alle gesichert werden? Wie ist es möglich, Versöhnung und Frieden unter den Völkern zu erreichen? Warum gelingt es nicht, die Arbeit gerecht zu verteilen? Wer stillt den Hunger und Durst der Bedürftigen? Und wie lassen sich die Verstrickungen lösen, die die Beziehungen vieler Menschen belasten?
Die biblischen Schriften bilden die Basis für die Suche nach Antworten auf diese Fragen. In ihnen begegnet uns Gott, der uns Leben in Fülle und in Gemeinschaft mit ihm verheißt. Seine Weisungen zielen auf die Achtung der Lebensgrundlagen aller Geschöpfe ab. Und das menschliche Gewissen mahnt jeden und jede, diesen Weisungen zu folgen.
In vielen ethischen Fragen konnten die Kirchen einen hohen Grad an Einmütigkeit erreichen. Auf nationaler wie auf internationaler Ebene sind zahlreiche Dokumente erschienen, in denen sich die Konfessionen auf eine gemeinsame Position verständigten. Der vom Ökumenischen Rat der Kirchen eingeleitete konziliare Prozess zu den Fragen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung hat in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Einsicht in den Wert einer ökumenischen Gemeinschaft vertieft. Auf verschiedenen Ebenen ist dieser Prozess fortgesetzt und erweitert worden.
Inzwischen gibt es in Deutschland eine gefestigte Tradition, gemeinsame Stellungnahmen des Rates der Evangelischen Kirche und der katholischen Bischofskonferenz zu ethischen Fragen zu veröffentlichen. Sie behandeln Themen wie den Schutz des menschlichen Lebens an dessen Grenzen (Embryonenschutz, vorgeburtliche Diagnostik, Organtransplantationen, Sterbehilfe), aber auch sozialethische Fragen (zum Beispiel Arbeitslosigkeit, neue Armut, Mediengesellschaft und Fremdenfeindlichkeit). In wichtigen Gremien – etwa dem Nationalen Ethikrat – sprechen die christlichen Delegierten häufig mit einer Stimme. Doch es gibt zugleich offene und kontroverse Fragen, vor allem im Bereich der Familien- und Sexualethik, wenn es um die erneute Heirat Geschiedener, um Methoden der Geburtenregelung oder um Homosexualität geht.

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