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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Evangelium - oder: Großmutters Bibelbeschallung

von Johannes Weiß

Meine Großeltern waren 60 Jahre lang verheiratet. Tag für Tag las Oma aus der Bibel vor, Opa schien stets andächtig zuzuhören. Als mein Bruder, der damals Theologie studierte, erzählte, er schreibe eine Arbeit über den Römerbrief des Apostels Paulus, fragte Opa: „Was ist das, Römerbrief? Ist das das Evangelium oder was genau ist das?“ 60 Jahre Bibelbeschallung durch seine geliebte Frau waren spurlos an ihm vorübergegangen. Als Kaufmann hatte er anderes im Kopf. Nein, der Brief des Apostels Paulus an die Römer ist nicht das Evangelium. Zumindest nicht, wenn man den Begriff nur auf die Texte der Bibel bezieht, die als Evangelien bezeichnet werden. Das sind nur die ersten vier Bücher des Neuen Testaments, die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Aber so dumm war Großvaters Frage nicht. Denn man kann die ganze Botschaft des Neuen Testaments getrost als „Evangelium“ bezeichnen. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und heißt „Gute Nachricht“. Die „Gute Nachricht“ des Neuen Testaments lautet: Gott ist zu uns Menschen bekommen. Als Jesus von Nazareth predigte er Nächsten- und sogar Feindesliebe. Sein Tod am Kreuz zeigt: Gott leidet mit allen Menschen, die in Not und Elend sind. Seine Auferstehung gibt uns Hoffnung über den Tod hinaus. Der Begriff „Evangelium“ findet sich übrigens schon im Alten Testament. Beim Propheten Jesaja zum Beispiel (40,9) ist „Evangelium“ die gute Nachricht, dass Gott sein Volk aus der Gefangenschaft erretten werde.

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