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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Orthodoxie

Aus: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern, Die Mitgliedskirchen stellen sich vor, München 1999.

Orthodoxie bedeutet etymologisch „richtiger Glaube" und richtiger Lobpreis Gottes, Als „orthodoxe Kirchen" bezeichnet man jene Kirchen, die sich in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches bildeten und seit dem Jahre 1054 in einer Spaltung mit den westlichen christlichen Kirchen leben. Man spricht von der einen orthodoxen Kirche und gleichzeitig von mehreren orthodoxen Kirchen. Sowohl die Selbständigkeit jeder lokalen Kirche an sich (Autokephalie) als auch die Einheit aller Kirchen ist zu unterstreichen.
Das Prinzip der Autokephalie, das ein Grundelement der Verfassung der orthodoxen Kirche ist, hat die weitere Entwicklung der Verwaltungsformen der orthodoxen Kirche bestimmt. Es bedeutet, dass jede autokephale Kirche verwaltungsgemäß selbständig und von keiner anderen Kirche abhängig ist. Hingegen äußert sich die Einheit aller orthodoxen lokalen Kirchen in folgenden drei fundamentalen Punkten: a) gemeinsamer Glaube, b) gleiche Liturgie, c) identisches Kirchenrecht.
Der orthodoxe Glaube drückt sich sowohl in den Glaubensaussagen, so wie sie in den sieben großen ökumenischen und anderen lokalen Konzilien und patristischen Schriften formuliert wurden, als auch in der liturgi¬schen Praxis der Kirche aus. Der orthodoxe „Gottesdienst" oder besser gesagt die orthodoxe „Liturgie" ist das Zentrum, der Mittelpunkt der ganzen Orthodoxie. Die orthodoxe Liturgie bringt das Heilsgeschehen in seiner ganzen Tiefe und Breite zum Ausdruck. Die Eucharistie, d. h. die Dank¬sagung der Geschöpfe an den Schöpfer, und das Empfan¬gen des lebenspendenden Leibes und Blutes Jesu Christi gelten in der gesamten orthodoxen Überlieferung als der wichtigste Höhepunkt innerhalb des orthodoxen Lebens schlechthin. Von der einzelnen unbekannten Gemeinde bis zu den berühmten Klöstern und den großen Patriarchalkirchen wird auf die gleiche Weise die gleiche Liturgie gefeiert.

Die zahlreichen - dem Datum nach - „beweglichen und unbeweglichen" kirchlichen Feste, die strengen Fastenzeiten als geistliche Vorbereitung, die Sakramente der Kirche wie auch die verschiedenen Gottesdienste des liturgischen Tageskreises tragen dazu bei, dass das Leben der Christinnen und Christen durch ihre Teilnahme am kirchlichen Leben an Bedeutung gewinnt. Alles, was sie in der Bibel lesen und woran sie als Lehre der Kirche glauben, bleibt für sie trockene Theorie, solange sie es nicht im Gottesdienst der Gemeinde erleben. Das Ziel, welches durch die Sakramente zu erreichen ist, heißt für die orthodoxe Theologie „Vergöttlichung des Menschen", „Teilhabe an dem Leib Christi und an der Gnade Gottes" und letzten Endes „Rettung der menschlichen Seele",
Die Lesungen aus der Bibel, die Predigt, die Gesänge, die Gebete etc. dienen der geistigen Vorbereitung auf den Höhepunkt der Liturgie: die Kommunion. Deshalb wird die Eucharistie dem orthodoxen Verständnis nach so hoch in der Theologie angesetzt.
Den Mittelpunkt des orthodoxen Gottesdienstes bildet das Geheimnis der Gemeinschaft mit dem transzendenten Gott, das Mysterium. Dies äußert sich in allem: a) in der Architektur des orthodoxen Gotteshauses und der konkreten Richtlinien folgenden Wandmalerei, wie z. B. die der Kuppel mit dem Bild Christi als Allherrscher als Symbol der himmlischen Gegenwart bei der Liturgie; b) in den Ikonen von Christus, der allheiligen Gottesmutter Maria und der Heiligen; c) im Gesang; d) in den liturgischen Tüchern und Geräten, die das einmalige Opfer Christi vergegenwärtigen.
Die Orthodoxie ist sich ihrer Identität und Eigenart bewusst. Sie verkennt die traurige Tatsache der bestehenden Trennung nicht, ebenso wenig relativiert sie die bestehenden Grenzen und Unterschiede, sie leidet daran und betet für ihre Überwindung.

 

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