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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Politisches Nachtgebet

Von Reinhard Höppner

Beim 32. Deutschen Katholikentag 1968 wollte ein ökumenischer Arbeitskreis, bestehend unter anderem aus Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky, Heinrich Böll, auf dem Hintergrund des Vietnamkrieges einen „politischen Gottesdienst“ feiern. Die Veranstalter setzen den Gottesdienst erst auf 23 Uhr an, worauf die Gruppe die Veranstaltung „Politisches Nachtgebet“ nannte.


Ab Oktober 1968 fanden in der evangelischen Antoniterkirche in Köln politische Nachtgebete statt. Kardinal Frings hatte die Benutzung der Kirche St. Peter untersagt. Präses Beckmann von der Evangelischen Kirche in Rheinland beglückwünschte den Kardinal, „dass er das Recht hat, so was in seiner Kirche zu verbieten.“ In der evangelischen Kirche entscheiden den Presbyterien darüber. Zum ersten politischen Nachtgebet am 1.10.1968 kamen über 1000 Menschen.
Die Kirchenleitungen kritisierten vor allem die Theologie von Dorothee Sölle. Ein besonderer Stein des Anstoßes war ein Glaubensbekenntnis, das sie in ersten Nachtgebet sprach. Beckmann sah darin Irrlehren. Die politischen Nachtgebete enthielten neben politischen Informationen und Diskussion auch eine Predigt oder Meditation anhand eines biblischen Textes. Hinter der Struktur stand Sölles Überzeugung, das theologisches Nachdenken ohne politische Konsequenzen immer einer Heuchelei gleichkomme und jeder theologische Satz auch ein politischer sein müsse.

Seitdem sind an vielen Orten Gottesdienste gefeiert worden, die sich an die Idee des „Politischen Nachtgebetes“ anlehnten. In dieser Tradition stehen auch die Friedensgebete, die Anfang der achtziger Jahre im Zusammenhang mit den Friedensdekaden/Friedenswochen entstanden sind und in der DDR im Herbst 1989 Ausgangspunkte der Demonstrationen gewesen sind, die die DDR schließlich zum Zusammenbruch brachten.

 

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