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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Sakramente

von Dorothea Sattler/ Joachim Track

Die christlichen Glaubensgemeinschaften feiern das Gedächtnis Jesu auch in Gestalt von Sakramenten. Heilsarmee und Quäker kennen diese zeichenhaften Handlungen allerdings nicht. Im ökumenischen Gespräch ist vor allem die Zahl der Sakramente umstritten. Sind es zwei, oder sind es sieben? Auch über ihre Wirksamkeit gibt es unterschiedliche Auffassungen. Genügt der Glaube der Gemeinde, oder bedarf es der amtlich vollzogenen Handlung des Priesters? Durch die gemeinsame Besinnung auf die biblischen Schriften und durch die Erforschung der unterschiedlichen theologiegeschichtlichen Konzepte wurde in beiden Fragestellungen eine weitreichende Verständigung erreicht.
Grundlage der ökumenischen Sakramentenlehre ist gegenwärtig die einmütige Erkenntnis, dass es im Neuen Testament keinen Begriff gibt, der die später als Sakramente bezeichneten gottesdienstlichen Feiern zusammenfasst. Das lateinische Wort sacramentum wurde stattdessen in frühen Bibelübersetzungen verwendet, wenn das in Jesus Christus offenbare Geheimnis Gottes verkündigt wurde (Kolosser 1,27 und 2,2). Dieser Textbefund festigte im ökumenischen Gespräch die Bereitschaft, ein Grundverständnis des Sakramentalen gemeinsam anzunehmen: Gottes Gegenwart in geschöpflich vermittelter Gestalt. In dem Menschen Jesus von Nazareth ist Gott selbst nachhaltig als der erschienen, der sich noch im Tod als lebenstiftender Gott des Erbarmens erweist. Die sakramentalen Wirklichkeiten gewinnen in dem Maße an Bedeutung, in welchem in ihnen Christus, der Erlöser, vergegenwärtigt wird.
Die Zahl der Sakramente wurde in der Geschichte der Theologie unterschiedlich bestimmt. Schon früh war die Frage, ob das Neue Testament die Stiftung einer sakramentalen Handlung durch Jesus selbst bezeugt, ein wichtiges Kriterium. Die Feier der Taufe (Matthäus 28,19) und der Eucharistie – angesichts des Auftrags Jesu in der Abendmahlsüberlieferung – galten seit dem Altertum als bedeutendste Sakramente. Daneben gab es immer wieder Überlegungen, die Feier der Buße (Matthäus 16,19 und 18,15–18 sowie Johannes 20,22f), die Nachfolge Jesu in der Jüngergemeinschaft (Lukas 10,16) und auch die Feier der Fußwaschung (Johannes 13,15) den Sakramenten zuzurechnen.
Während die reformatorische Tradition dem augustinischen Sakramentenbegriff folgt, ist die römisch-katholische Lehre thomistisch geprägt. Beide Schulen unterscheiden sich in der Gewichtung des stofflichen Elementes bei der sakramentalen Feier. Während Augustinus Taufe und Abend- mahl aufgrund der Elemente Wasser beziehungsweise Brot und Wein als vorrangige Sakramente bezeichnete, zeigte Thomas von Aquin größere Offenheit, auch personale Grundbedingungen einer wirksamen sakramentalen Feier gelten zu lassen, etwa Reue oder das Versprechen ehelicher Treue. Die erstmals während des Zweiten Konzils von Lyon 1274 von römisch-katholischer Seite bestimmte Siebenzahl der Sakramente ist zum einen als eine symbolische zu verstehen (Summe von drei und vier), sie setzt zum anderen die bis dahin gewachsene Bedeutung einzelner gottes- dienstlicher Feiern (etwa der Firmung) voraus. Die christlichen Traditionen lassen erkennen, dass es jenseits der offenen Fragen in der Zählung der Sakramente ein hohes Maß an Übereinstimmung in der Gestaltung von gottesdienstlichen Feiern gibt, in denen die christliche Gemeinschaft an den Grund und die Mitte ihres Glaubens in den Anfechtungen des Lebens durch Sünde und Tod erinnert.

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