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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Taufe

von Dorothea Sattler/ Joachim Track

Sehr früh schon erfolgt in der Urgemeinde die Aufnahme in die christliche Gemeinde durch die Taufe. Sie geschieht im Namen Jesu Christi als ein durch Untertauchen oder Begießen des Kopfes mit Wasser vollzogener Ritus.
Die Bedeutung dieses Geschehens wird im Neuen Testament in einer Vielzahl von Bildern, Begriffen und Vorstellungen ausgelegt. Die Taufe gewährt Teilhabe an Christi Tod und Auferstehung. Sie ist Wiedergeburt, bewirkt Vergebung der Sünden, Bekehrung und Befreiung zum neuen Leben.

Mit ihr ist die Gabe des Heiligen Geistes verbunden. Die Taufe wird verstanden als Berufung in das Volk Gottes, als Eingliederung in den Leib Christi und Aufnahme in den neuen Bund. Die Getauften haben Teil am königlichen Priestertum Jesu Christi. Die enge Verbindung, die Paulus zwischen Taufe und Abendmahl (Eucharistie) herstellt, bereitet deren Deutung als grundlegende Sakramente vor, durch die der dreieinige Gott in seinem versöhnenden und rettenden Handeln wirkt.
Eine Grundfrage, die das Taufverständnis durch die Zeiten hindurch begleitet, stellt die Verhältnisbestimmung von Glaube und Taufe dar. Das Neue Testament kennt vornehmlich die Erwachsenentaufe, aber es wird auch von der Bekehrung ganzer Häuser berichtet, bei der die Kinder mitgetauft werden. So geht das Neue Testament davon aus, dass der Glaube zur Taufe führt und in ihr sein sichtbares Zeichen und seinen Grund findet. Darüber hinaus kann aber auch davon gesprochen werden, dass die Taufe Glauben weckt und stärkt. Der Glaube hat einen Anfang, aber er ist nicht ein einmaliger Akt, sondern ein lebenslanger Prozess.
In der alten Kirche setzt sich die Kindertaufe im Kontext der Entfaltung der Lehre von der Erbsünde aufgrund der elementaren Sorge der Eltern um das Seelenheil sterbender Neugeborener und Kleinkinder durch. Nach Augustin ist die Taufe als sichtbares Zeichen der unsichtbaren Wirklichkeit der Gnade heilsnotwendig und unwiderrufliche und unwiederholbare Aufnahme in die Gliedschaft am Leib Christi.
Gegenüber kritischen Anfragen, dass beim Säugling weder die Bereitschaft zur Taufe noch ein Glaube festgestellt werden können, wird auf die mit der Taufe durch die Kirche vermittelte Heilszusage und auf den stellvertretenden Glauben von Eltern, Paten und Kirche verwiesen. Auch Luther, der die Notwendigkeit der Aneignung der Taufzusage im Glauben betont, hält an der Kindertaufe fest. Sie ist für ihn Ausdruck des Geschenkcharakters der Gnade Gottes. In allen christlichen Kirchen, die die Kindertaufe praktizieren, wird dabei die Notwendigkeit einer erklärten Aneignung der Taufzusage (Firmung, Konfirmation) und eines Hineinwachsens in den Glauben gesehen.
Demgegenüber betonen Kritiker der Kindertaufe die Notwendigkeit eines bewussten Willens (einer Entscheidung, einer Umkehr und Bekehrung, eines Bekenntnisses) zur Taufe und fragen an, ob in volkskirchlichen Verhältnissen die Taufe nicht zu einem Instrument des Mitgliedererhaltes verkommt. Ihnen gegenüber stellt sich die Frage, wie sie mit der Einsicht umgehen, dass der Glaube zwar den Menschen in seiner freien Verantwortlichkeit beansprucht, aber nicht eindeutig feststellbar ist. Taufe geschieht immer auf Glauben hin. Im Ernstnehmen der kritischen Anfragen und guten Gründe der verschiedenen Auffassungen zeichnet sich in den und zwischen den Kirchen ein wachsendes Verständnis für die jeweils andere Praxis ab.
Die Taufe hat für die ökumenischen Beziehungen besondere Bedeutung, da viele christliche Kirchen sie dort anerkennen, wo sie mit Wasser auf den Namen Jesu Christi, im Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wurde. Seit dem dritten Jahrhundert (Ketzertaufstreit mit Cyprian) hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass der Vollzug der Taufe höher zu bewerten ist als etwaige Unterschiede im jeweiligen Glaubens-, Kirchen- und Amtsverständnis, da die Taufe ihren Grund in der Heilszusage Gottes hat.


aus Sattler&Track (2003) - Kleines Lexikon der Ökumente

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