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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Andreas Altmann: ein bild von dir

Für Günter Hofmann


bäume singen mit hellen stimmen die schweren
lieder des winters. ich kann ihr schweigen hören.

getränkt sind schneewolldecken, unter denen
die landschaft sinkt. die spur des hasen kreuzt

die spur des fuchses. ich kann nicht sehen, ob
sie flieht. der wind hält die weißen schatten auf

den zweigen und ästen. sie brauchen kein licht.
geräusche des körpers spiegeln sich in den augen,

die den schritten vorausgehen. im schnee, hast du
gesagt, ist es leichter, das wort anfang aus dem kopf

zu lassen. die seehaut ist blind. vielleicht sind
deine blicke zu schwer für sie. ich zieh ein stück

angerissene rinde von einem stamm, der sich über
den weg beugt. darunter liegt das holz begraben.

auf dem bild, das du uns zur hochzeit gemalt hast,
sitzen drei hasen auf einer backsteinmauer und lassen

die ohren hängen. die mauer ist höher als die stadt.
dahinter muß der fuchs lauern. das sähe dir ähnlich.

der trampelpfad

weich wird das wasser des weihers unter
der schaumblütenschicht alter pappeln.

die bäume summen in hohen tönen und
legen ein leises licht auf den boden.

an den schritten steigt es den körper hinauf
und bleibt immer ein torso. ein zitternder

wind gleitet an jungen blättern ab. noch nie
habe ich hier einen storch gesehen. nur das

schwarze geschrei der raben lässt die innen
seite der spiegel an den augen hinab.

du hast tränen für den see gesammelt,
auf dem die papierschiffe hinaustreiben.

alle sind mit tinte beschrieben. zur anderen
seite hin sind netze gespannt, die ihre

weißen fahnen gehisst haben. fahnen, die
in den blicken reißen, wenn sie sich zu weit

aus den worten lehnen. vor jahren führte
noch ein trampelpfad hinüber. jetzt ist er

an anderer stelle aus dem gras gewachsen.
und mit bloßem auge noch nicht zu erkennen.

Andreas Altmann, geboren 1963 in Hainichen / Sachsen, lebt in Berlin.

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