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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Leander Beil:

Manchmal braucht man Zeit
für Schlaflosigkeit, um zu warten
bis die nächtliche Stille das strahlende Sonnengelb
der Fassade erstickt,
bis verwelkte Häuserwände für neue Blüten aufplatzen
oder das Morgenlicht
dem Berg seinen Heiligenschein aufsetzt.

Dunkelheit ist das Eine, das Andere
ist unwichtig. Die Augen des Schlaflosen
schmatzen leise vor lauter schwarzer Feuchtigkeit.
Vielleicht ein Mund voll salziger Leere,
angesteckt vom Gähnen der Finsternis,
denn nur manchmal braucht man Zeit
für Schlaflosigkeit, um zu warten
bis die Wasserfontänen auf mitternächtlichem
Marktplatz ihren Tanz vergessen und man für immer
diese Ruhe in sich trägt.

Glasscherben

Den Kopf am Fenster schläfst du,
als Licht, gedimmt durch deine Augenlider,
zwischen abgeblätterten Wolken hervortritt.
Nachmittags in einer Jahreszeit, die niemand
so richtig kennt, stehen eingeritzt ins Glas
die Konturen der Berge; ihr Abdruck bleibt
unbemerkt zurück auf deiner Stirn.

Abgekürzt und eingeklammert wachst du auf,
wischst einen letzten Sonnenstrahl
vom Schenkel und hoffst, dass draußen am See
das fransige Schilf die Rücken der Windböen krault.
… Wind für eine Bootsfahrt ohne Ziel …
Doch am Ufer kriechen nur die Nachtfalter
mit eingezogenen Segeln über schimmerndes Glas.
Der See bleibt ruhig und feinporig
wie das Mondlicht, das blind nach dir tastet,
das langsam einkehrt in dunkle Kajüten.

Leander Beil, geboren 1992 in München, lebt in Holzkirchen.

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