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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Ulrich Johannes Beil: Loipe

So flott wir unsre Linien
auch durchs Gelände ziehen –
es gelingt in diesem Licht nur dem Schnee,
die Farben zum x-ten Mal zu erfinden:
winzig-kristallines Blinken,
himmlisch fast, fast nichts.
Das Glück ist auf dieser Seite,
nicht auf jener.
Löst sich ab von dir,
läuft mit seinen kleinen Brettern vor dir her,
so, wie der Blick hin und wieder den Kopf vergißt,
sich auf Abwege wirft,
die, der Kälte zum Trotz,
bis in die Spuren glühen, die Brüche.
Zunächst nur Schnee.
Dann, als der Nebel schon an Blau erinnert,
scheint es, als könnten
die weißgefiederten Fichten sich
vor lauter Schwingen nicht aus ihrer Nacht erheben,
als verwiesen sie zugleich stolz auf diese
ihnen allein eigene Unmöglichkeit.

 

Vernachlässigtes


            für Toni Beil,
            der am 14. September 2009
            80 Jahre alt geworden wäre

Was leicht zu übersehen ist: Ein Faden aus Licht,
zehntelsekundenlang zwischen Zweigen und Erde.

Aus dem Schäbigsten und aus dem Hellsten Gewobenes,
das namenlos vorüberschwebt. Oder zu überhören:

Das Wimmern der Treppe 'Sisyphus' gestern,
die Stufe um Stufe nach oben rollte, ohne anzukommen.

Das Klick-klack des Tischtennisballs hinterm Gebüsch,
damals, auf dem Weg zu dir: so knöchern, gläsern...

Über den Alpenzacken zerplatzte das Seifenblasenauge,
das alles sah (auch, wie du da auf deinem Kreuz lagst).

Das Gras hier wogt weich wie die Wolken,
und der Moorboden vibriert kaum merklich von dem,

was war, bevor es uns gab. Der Frosch
ist jetzt ein Blatt und dann ein Frosch.

Wenn die Sonne im Klosterfriedhof untergeht,
wärmt sie dann die Toten?

Weniger Ziele und kleiner: ein Reiskorn, ein Haiku,
flink wie ein Elektron, hier und dort zugleich.

Ich jedenfalls halte mich fest an dem Kiesel, den ich
in deinem Mantel fand – klein, seidig, unzerstörbar.

Ulrich Johannes Beil, geboren 1957 in München, lebt in Holzkirchen und Zürich.

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