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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Helwig Brunner: Zu dir

       Die Kunst ist die irdische Schwester der Religion.
        Adalbert Stifter

Sieh sie dir an, die Gedichte
sind bloß lückig geschwärzte Flächen,
kantig an drei Seiten, während an der vierten
ein Flatterrand zerfranst
wie die abgerissene Fahne der Verlierer.

Hör sie dir an, die Gedichte
tönen manchmal klüger als sie selbst
und verklingen jenseits der Stimmen und Ohren,
nutzlose Lieder, die besingen,
was sie beinahe geworden wären,
hätte man sie ungeschrieben gelassen.

Sieh uns an, auch wir
sind uns die längste Zeit Ersatz gewesen
für früh Verlorenes, noch nicht Gefundenes,
wussten nicht, ob wir jemals vollständig wären
oder immer verfangen in einem Versäumnis,
zunehmend bange, je näher wir kämen:
dem Doppelpunkt, dem Punkt.

Sieh mich an und sag mir,
wie angemessen es ist, vermessen zu sein
im schäbigen Kleid der Worte,
das ich angelegt habe Vers um Vers
für den weiten Weg ins Nahe,
für den einen Schritt in die Ferne
zu dir.

Helwig Brunner, geboren 1967 in Istanbul, lebt in Graz.

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