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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Erika Burkart: Über das Erwachen aus Träumen

Zurück aus dem Land,
das auf keiner Karte zu finden ist,
bist du drei Herzschläge kurz
durchwärmt und erleuchtet –
bis die Traumhaut platzt,
im nackten Auge der Blitz zuckt,
zwangsentblößt schlägst du auf,
abgeworfen vom Blauen Vogel.

Unbeschreiblich die Mühe,
einen bösen Traum von sich abzutun,
sich wieder zu finden
nach Kämpfen in Totland,
wo niemand uns beisteht,
da sie auch Gott,
Götter und Tiere vertrieben.

Um ganz zu erwachen, stehen wir auf,
versichern uns des aufrechten Gangs,
prüfend die Tragkraft der Erde.

Der Tod und die Frau

Für Ernst

Durch die Felder bin ich gestreift,
pflückte Blumen, sammelte Namen,
Winter gingen und Frühlinge kamen,
mit ihnen Gäste; ich mochte jene,
die Bücher lasen und Briefe schrieben,
ich liebe Menschen, die lieben.

Nichts ist geblieben.
Mein Glück ist heute eine schmerzfreie Stunde,
die Absenz der Runde
mienenlos finsterer Geister.

Meister!
Rühr mich nicht an,
noch erreicht mich das Licht,
noch kann ich klagen,
das Schweigen befragen,
verstehe, was mitklingt, erwache,
verschreckt, an verschollenen Orten –
noch darf ich worten
aus meinem verlorenen,
nackten Gesicht.

Nachtgedanke

In der Nacht der Gedanke
an eine Stunde so in sich Eines
wie die Welt ohne Zeit,
bevor sie freigab der Geist.

Sie wiederzufinden, müssen
wir durch den Leib hindurch.

Obgleich wir wissen,
nicht wissen,
offen das Hoffen
unter der steinernen Wolke.

Erika Burkart, geboren 1922 in Aarau (Schweiz), gestorben am 14. April 2010 in Muri (Schweiz).

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