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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Franzobel: Requiem

Wenn i amoil tot sollt sein
Brauch i ka Grab, ka schene Leich
A miassts mei Aschn net im Meer verstrein,
i muass net am schensten Friedhof liegn,
brauch ka Mausoleum, brauch kan Marmorstein,
brauch gar nichts, was an mi erinnert.
Wenn i amoil tot sollt sein
Kinnts mi in de Tierkörperverwertung gebn,
machts ruhig a Saf aus mir,
Hundsfuader oder Dünger.
Moilts mein Schädl an,
stelltsn am Kirtog aus.
Oder wenns an Nutzen hat, dann gebts mi
Zum Zerschnipseln in irgend so a Anatomie
Wenn i amoil tot sollt sein,
dann is der Körper, der heit nu frisst
und sauft und raucht und Bledsinn denkt,
der a amoil paar Weibern gefallen hat,
von denen manche heit nu an ehm hängt,
dann ist der Fleisch- und Banahaufen
namens ICH, der
sis oiwei gut gehen lassen hat,
nix mehr wert.
Wenn i amoil tot sollt sein
Kinnts mi verbrenna
Und de Aschen obespüln beim Heisl.
Hauts mi ruhig zu de zaumgfiehrten Hund
Zu de Reh, was Tollwut ghabt haben
Zu de hinichen Hendln.
Wenn i amoil tot sollt sein
Kinnts mi vergessen.

Nehmts eich, was nu da is
Verschenkts mei Gwand,
wann es wem passt,
und verschenkts de Bircher,
was i gmacht hab,
kinnts verbrenna,
wer i war, geht neamd was an.
Weul: Fir mi wars guat,
i war zufrieden. Des is gnuag.

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck (Österreich), lebt in Wien.

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