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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Mathias Jeschke: Das Gebet der Ziege

Der du ein Hirte bist in diesem
von riesigen Rotoren
windwärts getriebenen Randland,

wo die äsende Wollmenge
der hörnerlosen Blöker
die Deichwelle hinabfließt,

nimm dich meines Zickleins an,
es brach sich das Bein und
will doch springen wie die anderen,

ich nannte es Emily, wie jene
in den nordenglischen Mooren
dem grauen Gouvernantengetriebe Entwachsene,

laß es am Morgen, wenn der Bauer
den Hahn mitsamt seinem Krähen
aus der Pappkiste wirft, Zuversicht schöpfen,

daß du’s vermagst, lese ich allabendlich
aus den lappend-flattrigen Schriftzügen,
die der Kiebitz an den Himmel klatscht,
 
die sind noch so viel älter als die
ziselierten Manuskripte jener
Bibliothek in Timbuktu –

Timbuktu, du weißt schon…



Milchläuten

Grüngrüne Weidelandwellen,
darüber der Himmel wie ausgegossene Milch.

Der Gummistiefelschritt, quaatschend, schlappend
durch das Tor unter den Holzschindeln von samtweichem Braun.

Schäumende Milchschwallschwünge,
die sich in blitzblanke Wannen ergießen.

Auf dem Altar der Puppenbauernkapelle
zwei Milchflaschen, immerwährende Rosen darin.

Will er zu uns, Immanuel, der Milchbub, der nackte?
Vielleicht will er zu uns, wir heben den Blick,

die gut gefüllten Segel der Wolkenkaravelle.
Mysterium in Gestalt einer abgängigen Herzlast.

Beim Milchläuten der Glockeneuter
summen die Fliegen ihr Responsorium.

Mathias Jeschke, geboren 1963 in Lüneburg, lebt in Stuttgart.

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