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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

Johannes Kühn: Gestellungsbefehl

Ein Krieg
versammle wieder Männer, die sich gegenseitig töten dürfen,
erfährst du, plötzlich siehst du einen Jüngling,
der durch die Straßen läuft
zu eiligem Besuch bei den Verwandten.
Er hat den Brief erhalten,
daß er zur Front muß,
an der er fallen kann.
Und so besucht er noch
die Tante und den Onkel,
die jüngere Cousine
und den ältren Cousin
und noch andre,
Freunde, die zu Hause bleiben,
und er merkt,
wie alle tief erschrecken.
Und jeder gibt ihm mit die Hoffnung,
daß er leben bleibe,
dem Feind entgeht mit seinen zielenden Gewehren.
Und Schinken
und Butter
auch Schokolade, Brot erhält er
als Proviant bei seiner Fahrt zur Stadtkaserne,
zu weiteren und noch gefährlicheren Zielen,
er soll nicht nüchtern bleiben,
er soll nicht hungern.

 

Schwangere Frau

Sie geht für zwei mit schwerem Gang durch Gärten.
Ist erst geboren
und größer
ihr Kind, wird sie es tragen durch die Blütenpfade
und sich erinnern, daß sie schon in Hoffnung
das Mutterglück genoß.
Um ein Weinen,
um ein Lachen
muß sie sich nicht sorgen.
Hier geht sie hin und denkt sich aus
noch seligere Stunden
als heut.
Es klingt der Fink,
es lärmt die Taube,
spart, Wolken, mit dem Maienflug!
Ihr dürft,
ihr sollt es dann erheitern
vollendeter.
Gewiß,
es werden andre Wolken,
andre Vögel sein,
doch denen gleichend
von heut!

Johannes Kühn, geboren 1934 in Bergweiler, lebt in Tholey.

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