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Damit Ihr Hoffnung habt

2. Ökumenischer Kirchentag

München 12.-16. Mai 2010

"Klimaschutz ist Herausforderung für unser Alltagshandeln"

Cem Özdemir, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, hat die Schirmherrschaft für das Umwelt-Projekt "KlimaKultur" des 2. Ökumenischen Kirchentages (2. ÖKT) übernommen. Im Interview mit dem 2. ÖKT spricht Cem Özdemir unter anderem über das Entstehen einer Klimakultur und seinen persönlichen Beitrag zum Umweltschutz.

Herr Özdemir, was hat Sie bewegt, die Schirmherrschaft für die Aktion Klimakultur zu übernehmen?
Özdemir: Es ist ein gutes und wichtiges Projekt, das ich gerne unterstütze. Schließlich ist Klimaschutz nicht nur eine Herausforderung für Politik und Wirtschaft, sondern auch für unser Alltagshandeln und seine Folgen für das Klima. Und das steht im Mittelpunkt der Aktion.

Worum geht es bei dem Projekt und was bedeutet eigentlich KlimaKultur? Was lässt sich mit einer neuen Klimakultur erreichen?
Özdemir: Wenn wir von Kultur sprechen, dann meinen wir auch die Art und Weise wie wir leben, was wir für sinnvoll erachten und was nicht. Unser Lebensstil, wie wir wohnen, uns fortbewegen und uns ernähren, hat auch Auswirkungen auf unser Klima – diesen Zusammenhang bringt KlimaKultur zum Ausdruck und ist entsprechend im Fokus des Projekts. Wenn wir dem Klimawandel begegnen wollen, dann müssen wir in der Politik umsteuern. Wir brauchen aber zugleich auch eine Klimakultur bzw. ein Bewusstsein für die Folgen des eigenen Lebensstils, damit jede und jeder im Alltag klimafreundliche Entscheidungen treffen kann.

Was muss die Politik tun, um den Klimawandel aufzuhalten?
Özdemir: Politik muss klare und verbindliche Rahmenbedingungen entlang ökologischer und sozialer Kriterien setzen, an denen sich die Wirtschaft orientieren kann. Da geht es beispielsweise um die Förderung erneuerbarer Energien, Anreizen für die energetische Sanierung von Gebäuden oder die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Und ohne internationale, verbindliche Regeln, werden wir das 2 Grad-Ziel nicht erreichen. Nach dem Scheitern von Kopenhagen braucht es dieses Jahr in Cancun einen Durchbruch! Aber der Rahmen ist nicht alles.

Und was kann jeder einzelne für ein besseres Klima tun?
Özdemir: Ich nenne konkrete Beispiele. Etwa Nahrungsmittel aus der Region kaufen, zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln, öfter mal mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, wo möglich, oder bei Fernreisen einen CO2-Ausgleich bei atmosfair leisten. Vielleicht auch mal auf einen Luxus verzichten. Je mehr Menschen das tun, desto größer der Effekt.

Was können Schulen und Gemeinden aus Ihrer Sicht zum Klimaschutz beitragen?
Özdemir: In den Schulen muss das Thema eine Rolle im Unterricht spielen, damit Kinder und Jugendliche dafür sensibilisiert werden und ganz natürlich mit einer neuen Klimakultur aufwachsen. Und Gemeinden können dafür sorgen, dass öffentliche Gebäude und Schulen klimafreundlich saniert werden. Und natürlich sollte auch in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Sporthallen oder Kindergärten Ökostrom bezogen werden. Ein anderes praktisches Beispiel: Eine Stadt kann öffentliche Verkehrsflächen für Carsharing anbieten.

Sie haben zwei Kinder. Wir wird in Ihrer Familie mit dem Thema Umweltschutz umgegangen?

Özdemir: Meine vierjährige Tochter kam neulich aus dem Kindergarten zurück und sagte zu meiner Frau und mir: „Wir müssen uns um den Planeten kümmern.“ Sie hatte sich im Kindergarten mit Umweltschutz und was man als Einzelner tun kann beschäftigt. Wir achten darauf, dass der Wasserhahn beim Zähneputzen nicht ohne Not läuft, das Licht nur da an ist, wo man sich aufhält. Was Altpapier ist und wohin das Altglas muss, weiß sie auch. Sie weiß inzwischen, was die Funktion unserer Solar-Anlage auf dem Dach ist und warum wir einen Brutkasten für Vögel am Dachgarten angebracht haben. Das sind auf den ersten Blick nur Kleinigkeiten, aber so entsteht bei Kindern ein Bewusstsein für Klimaschutz.

Herr Özdemir, wie greift der 2. Ökumenische Kirchentag, der vom 12. bis 16.Mai 2010 in München stattfindet, die Themen Bewahrung der Schöpfung und Klimakultur auf?
Özdemir: Es wird eine Vielzahl von Veranstaltungen zu diesen Themen geben. Das reicht von Podiumsdiskussionen über Informationsveranstaltungen bis zu Ausstellungen und Workshops. Außerdem wird es auch ein Zentrum Umwelt und Ressourcen geben. Ich bin sicher, dass die Bewahrung der Schöpfung und die Notwendigkeit einer neuen Klimakultur in vielen Gesprächen eine Rolle spielen wird.

Sie sind beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München dabei. Wo können die Teilnehmenden Sie treffen?
Özdemir: Ich werde dabei sein, wenn die Beiträge des Umweltprojektes des ÖKT ausgezeichnet werden. Einmal werde ich auf der Bühne am Marienplatz sein und dort an einer Diskussionsrunde zur Frage „Jugend in der Krise - wem können Menschen heute noch vertrauen?" teilnehmen. 

Wenn Sie Zeit hätten, welche Veranstaltungen würden Sie beim 2. ÖKT besuchen?
Özdemir: Gerade im Themenbereich 1 „Verantwortlich handeln – Christsein in der einen Welt“ gibt es  einige viel versprechende Diskussionen. Aber das Programm hat ja gigantische 720 Seiten, man sich vorstellen, dass viele interessante Veranstaltungen verschiedener Art stattfinden, so ja auch musikalische und kabarettistische. Und bei Programmpunkten, die „The Freaky Folk Fools’ Fiddle Fest“ und „Humor hilft hoffen“ heißen, würde ich schon mal vorbeischauen.

 

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