EKHN

"Digital und dezentral auf dem Weg"

Ausblick auf der Synode: Kirchenpräsident Volker Jung will den ÖKT jetzt "neu durchbuchstabieren".

Der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) im kommenden Jahr in Frankfurt am Main wird voraussichtlich angesichts der andauernden Corona-Pandemie ein deutlich anderes Gesicht haben als zunächst geplant. Digitale und dezentrale Formate würden derzeit für die vom 12. bis 16. Mai 2021 geplante Veranstaltung erarbeitet, sagte die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Julia Helmke, am Samstag. Auf allen Ebenen werde nun „gründlich und ernsthaft, mit Kreativität und Mut, aber auch nüchtern, realistisch und mit Demut“ geprüft, was dies bedeutet und wie wir unter diesen Bedingungen neu und anders denken können“, erklärte sie vor der per Videokonferenz tagenden Synode der hessen-nassauischen Kirche. So werde nun unter anderem der Anmeldebeginn verschoben und das Einladungsverfahren ausgesetzt. 

Gesundheitsamt sieht Kirchentag kritisch

Nach Worten Helmkes hat das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt Anfang November „erhebliche Anfragen an das Gesamtveranstaltungskonzept“ formuliert. Es sei deutlich, dass analoge Großveranstaltungen im nächsten Jahr in Frankfurt zunächst nicht möglich sein werden.

Arbeit an neuem Konzept hat begonnen

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, kündigte ein drittes Konzept für den Ökumenischen Kirchentag an, das nach der zunächst vorgesehenen Reduktion der Planungen für über 100.000 Gäste auf 30.000 Teilnehmende entwickelt werde. Bereits jetzt habe der Kirchentag aber etwa durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bistum Limburg ökumenische Akzente setzen können.  Jung schloss gleichzeitig nicht aus, dass die Veranstaltung auch noch abgesagt werden könnte. Dies werde letztlich aber das Präsidium nach der Vorlage eines neuen Konzeptes zu entscheiden haben.

 

Ökumenisches Zeichen weiter erwartet

Jung verteidigte zugleich die Entscheidung, am Ökumenischen Kirchentag weiter festzuhalten. Im Frühherbst sei ein von der Teilnehmendenzahl her reduzierter Kirchentag möglich erschienen. Jung erklärte, dass mit der Veranstaltung hohe kirchliche und politische Erwartungen verknüpft worden seien. So erwarteten viele Gläubige ein „deutliches ökumenisches Zeichen“. Die Politik habe den Kirchentag zugleich aufgefordert, in der Corona-Krise ein ermutigendes Signal zu setzen. Nach Worten Jungs sei es wichtig, nun „den Kirchentag neu durchzubuchstabieren“. Es müsse dabei aber auch bewertet werden, was mit einem reduzierten Ökumenischen Kirchentag erreicht werden könne. Jung sei sich sicher, dass es auch mit digitalen, partizipatorischen und dezentralen Formaten möglich sei, den Themen der Zeit ein öffentliches Forum zu geben.

Gemeinschaftsünterkünfte werden wegfallen

Die hessen-nassauische Beauftragte für den Ökumenischen Kirchentag, Miriam Küllmer-Vogt, erläuterte, dass es bei dem ÖKT im kommenden Jahr weder einen „Abend der Begegnung“ mit zehntausenden Teilnehmenden in Frankfurts Innenstadt noch Gemeinschaftsquartiere für Gäste geben wird. Sie habe bei vielen Gemeinden in der Veranstaltungsregion über diese Entscheidung auch Erleichterung wahrgenommen angesichts der damit verbunden Verantwortung in der Corona-Pandemie. Jetzt sei es wichtig, für die neuerliche Umplanung Kraft zu schöpfen. In der Aussprache befürworteten Kirchensynodale unter anderem, die Veranstaltung auch zu nutzen, um neue Formate zu erproben und digitale Räume zu nutzen. Sie schlugen unter anderem vor, auch Kontakt zu digital affinen Gruppen aufzunehmen wie etwa der Gamer-Szene oder dem Chaos-Computer-Club, um den Ökumenischen Kirchentag zu unterstützen.

 

(Volker Rahn, EKHN / Erstveröffentlichung: www.ekhn.de/ueber-uns/aufbau-der-landeskirche/kirchensynode/berichte/detailsarchiv/news/oekumenischer-kirchentag-digital-und-dezentral-auf-dem-weg.html)

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