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Sperrfrist
So, 16. Mai 2021, 10.00 Uhr

So
10.00–11.00
Mit Deutscher Gebärdensprache Mit deutschen Untertiteln
Schlussgottesdienst | Großgottesdienst
schaut hin - blickt durch - geht los
Schlussgottesdienst des 3. ÖKT
Sr. Dr. Katharina Ganz OSF, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Zell/Main
Mareike Bloedt, Pastorin der Ev.-meth. Kirche, Leinfelden

Predigt Teil 1, Mareike Bloedt

Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt. 

Gerechtigkeit. 

Ein großes Wort. 

Aktuell wird viel darüber diskutiert. Die Coronapandemie führt zu einer neuen Gerechtigkeitsdebatte. Ich merke das, sobald ich mit Freunden oder meiner Familie spreche. Alle jagen und sehnen sich nach Gerechtigkeit. Jede und jeder hat dabei eine eigene Vorstellung, von dem was gerecht ist. Bei solchen Gesprächen fällt mir auf, dass ich Gerechtigkeit vor allem mit Bildern des Unrechts beschreibe: Ich finde es ungerecht, dass persönliche Kontakte beschränkt werden, die großen Wirtschaftsunternehmen aber weitgehend geschont werden. Genauso finde ich es ungerecht, dass eine Pflegekraft oder Erzieherin weniger verdient als ein Manager im Homeoffice. Was ist gerecht?

Ist Gerechtigkeit einfach die Abwesenheit von Unrecht? Genügt das oder müsste ich fragen: Wo ist Gerechtigkeit? 

Der Prophet Jesaja sagt: Bei Gott findest du Gerechtigkeit. Er ist gerecht. Schaust du auf Gott, dann begegnet dir gerechtes Handeln. Er wendet sich seinem Volk zu. Er geht mit und verspricht seinem Volk: Von mir geht Weisung aus. Meine Gerechtigkeit ist nahe. Ihr werdet aus dem Exil heimkehren. 

Das Volk Gottes lebt in unsicheren Zeiten. Mitten in einer Krise. Wie wir. Und mitten in dieser Krise geht Gott mit. Er lädt sein Volk dazu ein, alles gerecht zu verteilen. Also der Gerechtigkeit nachzujagen und dabei zurück auf Abraham und Sara zu schauen. Sie erlebten Gottes gerechtes Handeln am eigenen Leib. Mich ermutigt das, selbst aktiv zu werden. Um eine gerechte Verteilung zu kämpfen. Gott zu suchen und auf ihn zu schauen. Denn jage ich der Gerechtigkeit nach, jage ich nach einem guten Leben für alle.

Predigt Teil 2, Dr. Katharina Ganz OSF

Abraham und Sara waren alt und kinderlos.
Gott prophezeite ihnen, dass sie noch ein Kind bekommen. 
Gott wirkt Wunder. 
Gott schenkt neues Leben. 
Gott macht Unmögliches möglich. 
Sara wird explizit genannt. 
In der Bibel werden Frauen nicht oft namentlich erwähnt. 
Es bedeutet viel: Sara ist genauso wichtig wie Abraham. 
„Schaut auf Abraham und auf Sara, die euch gebar.“ 
Abraham und Sara sind Erzeltern. 
Juden, Muslime und Christen verehren sie. 
Wir haben dieselben Wurzeln. 
Menschlich und religiös. 
Wir glauben an den einen Gott. 
Wir sind Menschenkinder und Kinder Gottes. 
Das macht uns weltweit zu Geschwistern. 
„Schaut auf Sara, die euch gebiert“, ist eine Variante der Übersetzung. 
Das Geborenwerden ist nicht abgeschlossen. 
Es geht weiter. Bis heute. 
Von Generation zu Generation sind wir miteinander verbunden. 
Ich selbst habe nie ein Kind geboren. 
Aber ich durfte viermal bei einer Geburt dabei sein. 
Und immer wieder bringe ich Neues in die Welt: 
wenn ich meine Gemeinschaft leite, Verantwortung delegiere, Menschen etwas zutraue, ein Haus renoviere, Einrichtungen unterstütze, eine Predigt halte, ein Buch schreibe, Entscheidungen treffe, damit etwas vorangeht. 
Wir alle können Neues hervorbringen. 
Drücken wir uns nicht vor der Verantwortung! 
Wir machen einen Unterschied, wenn wir für Menschen sorgen. 
Wenn wir Andere wachsen lassen und ihnen den Rücken stärken. wenn wir Leid sehen und Ungerechtigkeiten benennen. 
Wenn wir uns an Vorbildern orientieren und selbst ein gutes Beispiel geben. Als Christinnen und Christen glauben wir an Gottes Gerechtigkeit. 
Wir glauben, dass Gott neues Leben schenkt.
Zum guten Leben aller beizutragen, ist der Auftrag unserer Kirchen. 
Sie selbst erneuern sich unabhängig von ihrem Alter. 
Dazu braucht es unsere Mithilfe: Indem wir menschengemachte Ungerechtigkeiten beseitigen.
Einseitige männliche Herrschaft überwinden.
Berufungen und Charismen aller Getauften und Gefirmten ernst nehmen. 
Überlebende von sexualisierter Gewalt in die Mitte stellen. 
Die Menschenrechte in den eigenen Reihen respektieren. 
Frauen den Zugang zu allen Ämtern und Diensten ermöglichen. 
Ein neues Miteinander zwischen den Geschlechtern und ökumenische Geschwisterlichkeit leben. 
Durch unseren Glauben und unser Handeln gestalten wir Kirche und Welt. 
So helfen wir Gottes Gerechtigkeit zum Durchbruch. 
Im Kleinen wie im Großen. 
Mit gutem Willen, Entschlossenheit, Phantasie und Kreativität gehen wir globale Herausforderungen an:
Damit es nicht ungerecht bleibt, wo man geboren ist. „Schaut her – blickt durch – geht los“. 
Füllen wir dieses Motto mit Leben! Ohne Wehen und Schmerzen wird es nicht gehen.
Aber das Leben besiegt den Tod. Daran glaube ich. 

Predigt Teil 3, Mareike Bloedt

Jedes Jahr aufs Neue bin ich fasziniert, wie aus dem brachliegenden Garten Neues erwächst und aufblüht. Wie das Leben den Tod besiegt. Es ist ein Hoffnungsbild. 

Der Prophet Jesaja verwendet dieses Bild, um das Volk Israel zu trösten. Es steht vor den Trümmern und Ruinen seiner alten Heimat. Das Land ist verödet. Es kann seinen Bewohner*innen nichts bieten. Doch Gott verspricht: Aus diesen Trümmern wird ein prachtvoller Gottesgarten erwachsen. Darüber werden sich alle freuen und jubeln. Sie werden Lieder singen und Feste feiern. 

Dieses Bild spricht mir aus dem Herzen. Ich freue mich, wenn wir wieder Feste feiern und gemeinsam Freudenlieder singen werden. Ich bin gespannt, welche neuen Dinge dann aus den Trümmern der Krise entstehen werden. Sozusagen welche „Pflanzen“ dann zu einem wundervollen Garten aufblühen werden und so neue und gerechtere Perspektiven schaffen. Eine Welt, wo Gewinnmaximierung und Effizienz weniger zählen als soziale Werte und Solidarität. Die Jugend war in dieser Krise solidarisch mit den Alten. Die Klimakrise bietet eine Chance für die Alten sich mit der Jugend solidarisch zu zeigen. Lasst uns diese Chancen jetzt nutzen! 

Der blühende Gottesgarten zeigt uns: „Gott legt Segen auf das Land. Er schafft aus den Trümmern Neues!“ Diese Gottesverheißung gilt allen Völkern und auf allen Inseln – bis zum äußersten Rand der Welt. 

Gott verspricht: „Ich will ein gutes Leben für euch alle! Ich will Gerechtigkeit. Meine Arme verschaffen euch Recht.“ 

Gott legt seinen Arm der Gerechtigkeit um euch und mich. Diese Umarmung ermutigt: Schau hin. Geh los. Jage nach einem guten Leben für alle. Amen.


Text wie von Autor/in bereitgestellt. Es gilt das gesprochene Wort.

 
Bühne auf der Weseler Werft, Eckhardtstraße, Frankfurt/Main
 

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