Nachrruf

Hans Küng ging es um Reformen, nicht um "Reförmchen"

Team und Gremien des 3. Ökumenischen Kirchentages (ÖKT) trauern um Hans Küng, der gestern, am 6. April, nach langer schwerer Krankheit starb.

Julia Helmke, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, einem der zwei Veranstalter des ÖKT, erinnert sich: "Seit Jahrzehnten war Prof. Hans Küng zu Gast auf Kirchentagen und auch auf den beiden ersten Ökumenischen Kirchentagen. Seine Impulse, sein ökumenisches Engagement, sein interreligiöser Weitblick haben uns aufgerüttelt. Es ging ihm nicht um Reförmchen, sondern um Reform und Reformation. Sein Erbe bleibt. Ich denke an ihn in Trauer und großer Dankbarkeit – gerade jetzt, so kurz vor dem 3. ÖKT."

Hans Küng war mit den Ideen und Zielen Ökumenischer Kirchentage eng verbunden. Auch er setzte sich für einen kritischen Dialog über offene, kirchentrennende Fragen ein und hatte dabei stets die Einheit der Christenheit als Maßstab vor Augen. Vor dem 1. ÖKT 2003 in Berlin machte er sich für ein gemeinsames Abendmahl stark. Auf dem 2. ÖKT 2010 in München übte er deutliche Kritik am mangelhaften Reformwillen seiner katholischen Kirche.

"Wir trauern um einen großen Ökumeniker, einen bedeutenden Theologen und freien Geist, der die Kirche liebte und verändern wollte", sagt Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des 3. ÖKT. "Hans Küng ging es um jene Kirche, die ihm 1979 die Lehrerlaubnis entzog – und der er zuvor und danach unendlich viel gegeben hat. Trotz der schroffen Zurückweisung durch die Kirche und dem Entzug der Lehrerlaubnis, blieb er ihr als Priester verbunden. Wir erhoffen für ihn die Wertschätzung seines Lebens und Wirkens in einer ewigen Gerechtigkeit."

Was ihm als Grundlage für sein Leben wichtig war, benannte Hans Küng auf dem 2. ÖKT 2010 wie folgt: "Lebensvertrauen. Ich habe so ein letztlich begründetes und auch konsequentes Lebensvertrauen." Dieses rational nicht erklärbare Vertrauen bildete die Grundlage für die brillanten Ideen, die umtriebigen Schaffenskraft und die versöhnlichen Gesten des Tübinger Gelehrten, der mit seiner "Stiftung Weltethos" ein Vermächtnis schuf, das wegweisend für das ökumenische und interreligiöse Miteinander ist.

"Unsere theoretische Vernunft besitzt nicht die Flügel, um über Raum und Zeit hinauszufliegen, in die Ewigkeit", meinte Küng im Hinblick auf sein Gottes- und Lebensvertrauen. Die Menschen beim Ökumenischen Kirchentag erinnern sich dankbar an einen großen Geist und menschenliebenden Mit-Bruder.

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