Gottesdienste geben Zeugnis vom Stand der Ökumene

Kommt und seht!

Mit besonderen Gottesdiensten gab der 3. Ökumenische Kirchentag am Samstagabend das Signal, der Ökumene in Deutschland einen neuen Schub verleihen zu wollen. Katholisch, evangelisch, freikirchlich und orthodox wurde gefeiert. Christ*innen der je anderen Konfessionen waren eingeladen.

"Man muss sich an der Wahrheit freuen, die der andere bewahrt hat", sagte der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz im Dom. Alle Glaubenden seien "angewiesen auf Ergänzung", alle hätten gemeinsam "die Aufgabe der Einheit". In diesem Geist feiere man das Mahl, zu dem Jesus Christus einlade.

Zu Eltz erinnerte zu Beginn des katholischen Gottesdienstes an das Gemeinsame Zeugnis des Präsidiums des Ökumenischen Kirchentags. Man vertraue "auf die Gegenwart Jesu Christi in der Feier von Abendmahl und Eucharistie. Gemeinsam feiern wir dieses Geheimnis unseres Glaubens und lassen uns von ihm zu seinem Gedächtnis sagen: Schaut hin und erkennt mich beim Brechen des einen Brotes und in der Gabe des einen Bechers für alle. Dann geht in meinem Geist verwandelt und gestärkt in die Welt.".

Zuvor hatte er "um Verzeihung" dafür gebeten, dass nicht der evangelische Stadtdekan Achim Knecht die Predigt halte, wie einmal geplant. Dies sei leider nicht möglich gewesen, weil "Geistliche im Ornat nicht in der Mahlfeier der jeweils anderen Konfession kommunizieren". Zu Eltz nahm das zum Anlass, um zu sagen, es lägen noch ökumenische Aufgaben "vor uns".

Die evangelische Präsidentin des 3. ÖKT, Bettina Limperg, die an der Eucharistiefeier teilnahm, sagte anschließend, dies sei für sie eine Selbstverständlichkeit gewesen: "Das Mahl gehört einfach dazu." Sie freue sich, dass der Ökumenische Kirchentag mit diesen Gottesdienstfeiern in ökumenischer Sensibilität ein wichtiges Zeichen setze, das weit über den Kirchentag hinausreiche. Ebenfalls anwesend in Dom war der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, der wie alle anderen Besucher*innen des Gottesdienstes in der Kirchenbank saß. Coronabedingt war der Zugang zu diesem Gottesdienst – wie zu allen anderen – in der Personenzahl beschränkt.

In der Evangelischen Gemeinde Frankfurt-Riedberg nahm der katholische Präsident des 3. ÖKT, Thomas Sternberg, am Abendmahl teil. Mit ihm zum Mahl ging der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung. Sternberg bezeichnete dies als seine "persönliche Gewissensentscheidung". Es sei notwendig, sich in geschwisterlicher Vielfalt zu begegnen und die Einladung Jesu zum Mahl ernst zu nehmen.

Im Gottesdienst, der von Pfarrerin Kirsten Emmerich geleitet wurde, predigte die katholische Gemeindereferentin Angela Köhler. Sie sagte, noch immer schauten Christ*innen in Ökumene-Fragen zu sehr auf das Trennende und auf Konflikte. Stattdessen müsse das Gemeinsame betont und gestärkt werden.

In der Freien Evangelischen Gemeinde am Oeder Weg wurde ebenfalls ein Abendmahls-Gottesdienst gefeiert. Der herzliche Pastor David Schultze schaffte es, in seiner Predigt im lebendigen Norden der Frankfurter Innenstadt das Leitwort des Ökumenischen Kirchentags "schaut hin" in den Alltag zu übersetzen. Er fragt sich und die Teilnehmenden ganz konkret: "Was bedeutet es eigentlich, genau hinzuschauen?" Oft wolle man den Anderen am liebsten umso mehr ändern, je genauer man hinschaue. Es sei aber nötig, Unterschiede nicht einfach fortzuwischen, sondern so wie die Liebe Gottes anzunehmen. Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Julia Helmke, und der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Marc Frings, Mitglieder des Gemeinsamen Präsidiums des 3. ÖKT, nahmen in diesem Gottesdienst am Abendmahl teil. Sie betonten, es sei ihnen dabei "nicht nur um eine Gewissensfrage gegangen, sondern um eine Herzensfrage".

In der Griechisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Prophet Elias in Frankfurt wurde eine Vesper gefeiert. Die Liturgen Gregorios Sorovakos, Archimandrit und Pfarrer der Gemeinde, Erzpriester Nicolas Al Esber von der Antiochenisch-Orthodoxen Gemeinde St. Petrus und Paulus und Mircea Daec von der Rumänisch-Orthodoxen Gemeinde Apostel Bartholomäus segneten gesäuertes Brot, zusammen mit Wein und Öl. Anders als bei der sogenannten Artoklasia üblich, wurde das Brot wegen der coronabedingten Hygieneregeln nicht zum Brechen weitergereicht, sondern konnte am Ende von den Teilnehmenden einzeln genommen werden. Zu Gast in der Vesper war unter anderem der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sowie von katholischer Seite der Limburger Weihbischof Thomas Löhr. Auch der Vorsitzende der ACK, Erzpriester Radu Constantin Miron, nahm teil, ebenso Bischof Emmanuel Sviatkos, der bereits beim Eröffnungsgottesdienst des 3. ÖKT gesprochen hatte.

Der inter-orthodoxe Gottesdienst wurde auf Griechisch gefeiert, es wurde aber auch Arabisch und Rumänisch gesprochen, das Vater-Unser auf Deutsch gebetet. Die Vesper erinnerte an das orthodoxe Osterfest, das erst jüngst gefeiert wurde. Dreimal wurde der Auferstehungsgruß "Er ist wahrhaft auferstanden" ausgesprochen. Claudia Lücking-Michel und Elisabeth Krause-Vilmar, Mitglieder des Gemeinsamen Präsidiums des ÖKT, nahmen teil. Sie gaben anschließend ihrer Freude Ausdruck, mit dieser Vesper an ihre Studienjahre in Jerusalem erinnert zu werden, wo sie orthodoxe Vespern besucht hatten.

Alle vier Gottesdienste wurden direkt auf oekt.de übertragen, so dass viele Menschen sie auch von zuhause aus mitfeiern konnten. Insgesamt nahmen etwa 6000 Menschen diese Möglichkeit wahr. Vor Ort war die Zahl der Teilnehmenden coronabedingt streng begrenzt. Im Dom waren 150 Personen zugelassen, in der Riedberg-Gemeinde 90, in der Freien Evangelischen Gemeinde wie auch in der Vesper jeweils 60.

In Frankfurt wurde gleichzeitig in 17 anderen Gemeinden Gottesdienste unter dem Leitwort "Kommt und seht" gefeiert. Deutschlandweit hatten sich im Netzwerk des ÖKT weitere 66 Gemeinden gemeldet, die ebenfalls Gottesdienste in ökumenischer Sensibilität feierten.

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