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s - Frankfurt lebt vernetzt

Stadtspaziergang „schaut hin Frankfurt“

„Das Passagieraufkommen in Frankfurt lag [2020] auf einem Niveau wie zuletzt 1984."Fraport-Chef Stefan Schulte(Tagesschau)

Die nachfolgenden Beiträge bieten einzelne Perspektiven. Verschiedene Personen haben bei zur Erstellung und Auswahl beigetragen. Diese Perspektiven sind nicht deckungsgleich zu den Meinungen des 3. Ökumenischen Kirchentages oder der Gastgebenden Kirchen.

Er trägt!

Überraschung

Einsame Infrastruktur

Programmtipp zum 3. Ökumenische Kirchentag und dem Thema „Infrastruktur“:

#digitalekirche - Kirche im Netz (Ein Teil von: "In Gottes Haus sind viele Wohnungen" (Joh 14,2). Eine Stunde zu Glaube und Spiritualität.)

Samstag, 14.00 bis 15.00

Ankommen in Frankfurt am Main, Hauptbahnhof. Erster Schritt auf den Vorplatz, und da sieht man sie: die Wolkenkratzer, die die Stadt zu Mainhattan machen. Auf den Bus-Stadtrundfahrten Hop-on, Hop-off bekommt man erklärt: Viele der Türme haben einen charakteristischen Kopf. Das war eine Zeit lang Bauauflage.

Zum Beispiel das Hochhaus der DZ Bank – schaut hin nach links, wenn Ihr den Hauptbahnhof im Rücken habt. Der Turm trägt eine Krone mit elf Zacken, die in Richtung Innenstadt zeigen. Das erinnert daran, dass früher im Frankfurter Dom der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gewählt wurde. Ihr könnt Euch in Frankfurt also kaiserlich fühlen.

In der Bibel steht: „Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“ (Offenbarung 3,11) Beim Image von Frankfurt als Bank-Furt könnte man denken: Na, das passt ja zum einnehmenden, geschäftstüchtigen Wesen dieser Stadt. Aber die Bibel meint damit andere Werte als Materielles: Vertrauen. Vertrauen in die Gaben, die Gott Dir gegeben hat. Vertrauen zu anderen. Vertrauen auf Gott. Vernetzung zwischen Erde und Himmel.

 

Oder der Commerzbank-Tower. Schaut hin – er steht direkt vor Euch, geradeaus das Hochhaus in Form eines Dreiecks. Er misst 300 Meter, die Antenne mitgerechnet, und ist das höchste Hochhaus in der EU. Allerdings erst wieder seit 2020, denn da verließ Großbritannien die EU. Damit war die zehn Meter höhere Skyscraper-Konkurrenz aus London-City weg. Mit dem Vereinigten Königreich bleibt der Turm trotzdem verbunden. Sein Architekt ist der Brite Norman Foster, der auch die gläserne Kuppel des Reichstaggebäudes in Berlin entworfen hat.

Die Infrastruktur der Welt, in der alles mit allem in Bezug steht, verkörpert der Commerzbank-Tower auf eine bezaubernde Weise: mit hängenden Gärten. Die Etagen sind nämlich zwischen den drei Pfeiler des Dreiecks eingehängt. Aufsteigend mit den Stockwerken sind neun Gärten in das Gebäude integriert. Je drei für Süden, Westen und Osten mit mediterraner, nordamerikanischer und asiatischer Vegetation. Der Norden fehlt. Aber von der Südhalbkugel ausgesehen liegt Frankfurt ja selbst im Norden.

In der Bibel steht die Vision: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13,29) Verschiedene Himmelsrichtungen und doch Eine Welt.

Welche Hochhäuser fallen Euch auf? Was ist spontan Euer Lieblings-Wolkenkratzer?

Pfarrer Martin Vorländer,

Rundfunkbeauftragter der EKHN für den Hessischen Rundfunk

Bis 2020 pendelten täglich fast 400.000 Menschen (pendleratlas.de) nach Frankfurt und legten pro Arbeitstag etwa 20 Millionen Kilometer (FAZ) zurück.

Zahlen ab 2020 (destatis) und damit seit der Corona-Pandemie sind derzeit noch nicht belastbar.

Ob es dabei einen Verkehrswandel und eine #AutoKorrektur (janschleifer.com) braucht?

Die harten Fakten zur Pünktlichkeit der Bahn und zum Spaß mit Zahlen: 36C3 - BahnMining - Pünktlichkeit ist eine Zier (YouTube)

Hier wird es bald sehr anders aussehen.

Drinnen im Bahnhof (DB) wird gebaut, vor dem Bahn (FNP) wird erweitert und unten drunter (FNP) wird gegraben.

 

Durch große Teile der Stadt ziehen sich die 300km Fernwärmenetz in Frankfurt. (MHKW)

Eine Studie bestätigt: Videokonferenzen sind anstrengender als reale Besprechungen. (SZ)

Verkehrsinfrastruktur als Rückgrat der Mobilität

Sie stehen hier am Hauptbahnhof Frankfurt, einem riesigen Verkehrsknoten für die Stadt Frankfurt, die Region Rhein/Main, aber auch für Deutschland. Die verkehrliche Anbindung – die „Verkehrsinfrastruktur“ – war seit jeher entscheidend für das Entstehen und Wachsen von Städten. Historisch sind Städte an Handelsstraßen und Wasserwegen entstanden. Sie haben sich mit der wachsenden Bedeutung der jeweiligen Handelsroute entwickelt, oder haben auch an Bedeutung verloren, wenn sich der Handelsweg verlagerte.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es nicht mehr nur die Straßen, die die Städte verknüpften. Mit der Eisenbahn entstand eine zweite Verkehrsinfrastruktur. Durch die Bindung an die Schiene hatten die Bahnhöfe in den Großstädten eine besondere Bündelungsfunktion. Mehrere Strecken kamen hier zusammen, Umsteigen wurde ermöglicht. Man versuchte, die Bahnhöfe so nah wie möglich an das Stadtzentrum heranzuführen. Da die Städte Ende des 19. Jahrhunderts schon dicht bebaut waren, war dies nicht einfach. So entstanden Kopfbahnhöfe wie hier in Frankfurt. Diese wurden nach und nach auch mit den Infrastrukturen innerhalb der Städte vernetzt – mit Straßenbahnen, Bussen, U-Bahnen…

Heute sind Straßen und Schienen das Grundgerüst unserer Mobilität in Städten. Das Funktionieren des Verkehrs in einem Großraum wie Frankfurt ist abhängig von dem Netz an Bahnen, S-Bahnen, U-Bahnen und Trams einerseits sowie Straßen und Autobahnen andererseits. Angesichts des Wachstums von Stadt und Region als Wirtschaftsstandort und als Wohnort, aber auch durch unser gestiegenes Mobilitätsbedürfnis ist die Infrastruktur heute im Berufsverkehr häufig überlastet. Wir spüren das durch Staus und Verspätungen. Viele Jahre lang wurde darauf mit breiteren Autobahnen, mehr Straßen, aber nur selten mit neuen Schienenwegen reagiert.

 

Von der Verkehrsplanung zur Mobilitätsentwicklung

Der Umgang mit den Mobilitätsbedürfnissen und den damit verbundenen technischen und verkehrlichen Anforderungen ist in den letzten Jahren einem grundsätzlichen Wandel unterworfen. Das hat den politischen und fachlichen Diskurs verändert: im Mittelpunkt nicht mehr eine an den technischen Anforderungen eines flüssigen Verkehrs orientierte technische Verkehrsplanung, sondern Mobilitätskonzepte und Mobilitätsmanagement für einen vielfältigen und gleichberechtigten Verkehrsmittelmix. Intermodalität und Multimodalität sind die neuen Schlüsselbegriffe. Dabei geht es darum, für jeden Weg das dafür am besten geeignete Verkehrsmittel zu wählen und dieses auch zu wechseln: zur Arbeit oder in die Schule die S-Bahn, in der Freizeit das Fahrrad, für den großen Einkauf das Auto. Das führt einerseits zur Entlastung der Infrastrukturen, andererseits ermöglicht es auch den Verzicht auf ein eigenes Auto.

Mit diesem Veränderungsprozess verbunden ist die Notwendigkeit zur Neuaufteilung des Straßenraumes unter dem Motto „Eine Straße für alle“. Straßen müssen so umgebaut werden, dass sie mehr Platz für Fußgänger*innen und einen Radweg bekommen, vielleicht auch eine gesonderte Busspur oder eine neue Straßenbahn. Zum Teil werden auch ganz neue Infrastrukturen wie Radschnellwege oder neue Bahnlinien benötigt. Die geeignete Infrastruktur und gute Mobilitätsangebote sollen dabei helfen, das persönliche Mobilitätsverhalten Schritt für Schritt ändern zu können. Dass der dazu notwendige politische und öffentliche Diskurs nicht immer einfach ist, zeigt der kürzlich gescheiterte Bürgerentscheid für eine neue Stadtbahn in Wiesbaden.

Verkehrsknoten – oder besser: Mobilitätsknoten – wie hier am Frankfurter Hauptbahnhof behalten eine wichtige Bedeutung. Sie ermöglichen den Wechsel von einem Verkehrsmittel zum anderen. Dies ist ein Schlüssel zur Multimodalität. Dabei geht es künftig aber nicht mehr nur um den Wechsel zwischen Zug, S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn oder Bus. Der Wechsel zum Car-Sharing-Fahrzeug, zum Leihfahrrad oder E-Scooter kommt neu hinzu. Viele Städte nutzen inzwischen sogenannte „Mobilitätsstationen“ als Infrastruktur, um den Umstieg dahin zu erleichtern.

 

Kirche und Mobilität

Die Frage nach unserem eigenen Mobilitätsverhalten stellt sich vor dem Hintergrund der christlichen Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung. Mit welchem Verkehrsmittel kann ich einen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes und damit zum Klimaschutz leisten? Wie kann ich in der Stadt dazu beitragen, dass in vielbefahrenen Straßen die Belastung von Stickoxiden und Feinstaub sinkt und damit Anwohner gesundheitlich weniger gefährdet werden? Welchen Einfluss hat mein Mobilitätverhalten auf attraktive öffentliche Räume, die zum Verweilen, zum Gespräch und zum Spielen für Kinder einladen? Das alles sind nicht nur große grundsätzliche Fragen, sondern ich kann und sollte ständig neu meinen kleinen Beitrag dazu entscheiden, wenn ich mein Verkehrsmittel für den nächsten Weg wähle.

Doch es geht nicht nur um private Wege, sondern auch um unser Mobilitätsverhalten als Kirchengemeinde. Auch dort gibt es viele Möglichkeiten, aktiv die nachhaltige Mobilität mitzugestalten. Um das zu unterstützen, gibt es aktuell die Möglichkeit, sich an einem Mobilitätswettbewerb für Kirchengemeinden der EKHN einzubringen.

Die Gewinner*innen erhalten eine finanzielle Förderung durch das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung und hier können Sie mehr dazu erfahren.

Sie können sich noch bis zum 30.06.2021 bewerben.

Stefan Heinig, Referat Stadt- und Landentwicklung, Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN

 

Frankfurt begegnet uns in Deutschland gleich dreimal: Frankfurt/Main, Frankfurt/Oder, Frankfurt bei Neustadt/Aisch. Frankfurt gibt es auch mehrfach in den USA, nämlich in Kentucky, Illinois, New York, Kansas, Michigan, Ohio und South Dakota. (Onomastik)

Dabei macht der „Main“ Frankfurt nicht nur einmalig, sondern ist wichtige Lebensader. Der Frankfurter Hafen ist unter den größten des Landes (Verkehrsrundschau). Und er schafft die Verbindung mit den Gewässern der Welt (DW).

Und manchmal verbinden sich die Verkehrsmittel (FAZ) auf ungeahnte Weise.

…leben im Bahnhofsviertel Menschen mit ganz eigenen Geschichten (YouTube). Viele leben ohne Dach über dem Kopf (Franziskustreff). Andere haben Orte gefunden, an denen sich gekümmert wird (Diakonie).

Die Zukunft des Reisens zwischen Städten und Kontinenten könnten so aussehen (YouTube).

Es gibt unzählige Domains, wie .com, .de, oder auch .tv. Sie sind ein essentieller Teil des Internets. Doch hinter einigen dieser Endungen steckt eine dunkle Wahrheit (YouTube).

Den Anfang könnten neue E-Flugtaxis sein (CHIP), die Städte verbinden.

Und wem das zu langsam oder langweilig ist, der kann sich jenseits der Lichtgeschwindigkeit bewegen. (Spektrum)

Frankfurt wächst kaum noch. (FR)

Vielleicht kommt nach immer größer nun anders. Manche starten Veränderung auf eigene Faust (Spiegel). Andere manchen die Straßen gleich ganz dicht (SZ).

Die Glasfaser ist die Lebensader, die Frankfurt zur deutschen Internethauptstadt (Hessenschau) macht.

Es war Mitte der sechziger Jahre in Frankfurt in einem Mietshaus gegenüber dem Hauptbahnhof. Der damalige Frankfurter Stadtjugendpfarrer Dieter Trautwein steigt die Treppen hoch. Er sucht einen Mann, über den er etwas Verblüffendes herausgefunden hatte in einem Buch mit dem Titel „Die unbesungenen Helden“.

Was er liest, kommt ihm wie ein Märchen vor. Der Mann sollt 1200 Jüdinnen und Juden vor der Ermordung in KZs gerettet haben. Wenn das stimmt, müsste das doch allgemein bekannt sein! Und er selbst müsste ihn als geehrten Bürger seiner Stadt längst kennen. Im obersten Stock an der letzten Tür rechts findet er ein handgeschriebenes Klingelschild mit dem Namen: Oskar Schindler.

Heute kennt jeder diesen Namen aus Steven Spielbergs Kinofilm der neunziger Jahre „Schindlers Liste“. Erst durch den Film wurde Oskar Schindler weltweit bekannt. Da war er schon lange gestorben. Schindlers Liste wurde zum Symbol für das, was wenige Einzelne unter unfassbaren Umständen vollbracht haben, um Menschen zu retten. Als Fabrikdirektor im besetzten Polen und in Tschechien fertigte Oskar Schindler mit seinen jüdischen Mitarbeitern die berühmte Liste an. Darauf die Namen von Menschen, die er damit aus KZs herausbrachte als vermeintlich kriegswichtige Arbeiter für seine Emaille- und Munitionsfabrik.

Am Ende waren es 1200 Männer, Frauen und Kinder. Dafür musste Oskar Schindler lügen, bestechen und mit den Mördern der SS kooperieren. Er hat sein Leben riskiert und sein Vermögen für Bestechungsgelder und Lebensmittel verbraucht.

Als Oskar Schindler Mitte der sechziger Jahre Dieter Trautwein die Tür seiner Ein-Zimmer-Wohnung öffnete, waren seine Versuche gescheitert, nach dem Krieg wirtschaftlich neu anzufangen. Unterstützt von einigen seiner Geretteten, die inzwischen in den USA und Israel waren, lebte er unbekannt und in einfachen Verhältnissen. Dieter Trautwein bittet Schindler, bei einem „Tag der Evangelischen Jugend“ zu erzählen, zusammen mit einem der geretteten Männer aus den USA. Obwohl hunderte Besucher dabei waren und Zeitungen und Radio berichteten - eine große öffentliche Wirkung hatte das nicht.

Warum war das Erinnern damals so schwer? Dieter Trautwein vermutet: Wer nicht versucht hatte zu helfen, fühlte sich angeklagt durch einen, der es getan hat. Erst Recht die Täter, von denen einige wieder ansehnliche Stellungen bekleideten. Außerdem stellte man sich einen Lebensretter strahlender vor als einen in die Jahre gekommenen, inzwischen erfolglosen Mann. Oskar Schindler selbst hat zu seinen Motiven nur einen Satz gesagt: „Wer die sadistische (...) Verfolgung dieser Menschen(…) erlebt hat, der musste statt eines Herzens einen Stein in sich haben, wenn er da nicht Mitleid empfunden und eine Aufgabe gefühlt hat, zu helfen.“

Wer heute die großen Worte Liebe, Gerechtigkeit und Hoffnung in den Mund nimmt, muss an Menschen erinnern, die versucht haben, die großen Worte zu leben. Ein Denkmal für ihn gibt es in Frankfurt nicht. Eine kleine Straße wurde nach ihm benannt, sie liegt weit vom Zentrum entfernt am Ortsrand. Immerhin gibt es an seinem Frankfurter Wohnhaus eine Plakette. Auf der ist von seinem Mut die Rede und von der Trägheit vieler, die beschämt. Und eine Frage ist dort aufgeschrieben: Wer hilft heute?

Pfarrerin Heidrun Dörken,

evangelische Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

Ein Projekt der Gastgebenden Kirchen:

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E-Mail: service(at)oekt.de

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