#schauthin

„Konfessionsgrenzen waren nie ein Thema“

Ökumene und Nächstenliebe ganz praktisch bei den „Sozialen Kontakten Ginnheim“

„Wer sich sozial engagieren will, kann das bei uns tun und wer Hilfe braucht, bekommt die auch – ganz einfach und unabhängig von der Konfession“. #schauthin beim ökumenischen Projekt Soziale Kontakte in Frankfurt-Ginnheim.

Mit einem Anruf oder einer E-Mail geht es los und die klingen oft ähnlich: „Meine Mutter ist 86, sie wohnt alleine und ich lebe mit meiner Familie in Berlin.“ Vor allem ältere Menschen, die zu Hause allein leben, gehören zur Zielgruppe von Barbara Mielert und Eva Sammet. Die beiden haben vor über 25 Jahren das Projekt „Soziale Kontakte Ginnheim“ ins Leben gerufen. „Die Leute werden meistens vom Pflegedienst versorgt. Die kommen, erledigen ihre Arbeit und sind dann wieder weg. Die müssen auf die Uhr schauen und schnell weiter zum nächsten Patienten. Für das Seelische bleibt da oft keine Zeit,“ sagt Sammet. Und hier setzt ihr Projekt an: 25 ehrenamtliche Mitarbeitende besuchen die Menschen, die wegen ihres Alters, einer Krankheit oder einer Behinderung Unterstützung anfragen. „Wir helfen beim Einkaufen, vermitteln Fahrdienste, begleiten zum Arzt oder zum Amt. Manchmal sind wir auch einfach nur da und hören zu,“ berichtet Mielert über die Arbeit des Projekts.

Liebe deinen Nächsten

In den letzten Jahren werde es schwieriger, an die Zielgruppe heranzukommen, erzählen die beiden Initiatorinnen. „Vielleicht ist es die Scham, wenn jemand zugeben muss: Ich fühle mich einsam,“ vermutet Sammet. „Der Pflegedienst wird ja bezahlt, da bin ich Kunde – aber bei uns ist die Hilfe kostenlos. Vielleicht denkt der eine oder andere, er müsse dann besonders dankbar sein.“ Aber um übermäßige Dankbarkeit geht es den beiden nicht. Mielert ergänzt: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst – so versuchen wir, unser Christsein zu leben. Uns ist soziales Engagement wichtig. Ansonsten würde uns etwas fehlen.“ Ehrenamtliches Engagement sei eine wichtige Stütze der Gesellschaft. Diese sähe ohne Menschen, die sich freiwillig engagierten, ganz anders aus, ist sie sich sicher.

Einschränkungen durch Corona

Sorgen macht den Beiden gerade die Corona Krise. Viele Besuchte gehören zur Risikogruppe. „Es gibt im Moment deutlich weniger Anfragen. Die Leute sind natürlich vorsichtig. Besuche fallen aus und auch den Fahrdienst haben wir eingestellt.“ sagt Sammet. Das sei ein zu großes Risiko wegen der Ansteckungsgefahr. Sie entdeckt aber auch positive Aufbrüche in der Krise: Für Einkaufshilfen haben sich seit Beginn der Corona Pandemie einige neue Ehrenamtliche gemeldet. „Und wir nehmen wahr, dass viele ältere Menschen seitdem auch von Ihren Nachbarn mitversorgt werden. Da hängen Zettel im Treppenhaus, auf denen Hilfe angeboten wird,“ berichtet sie und freut sich, dass Nachbarschaftshilfe in der Krise auch ohne Anstoß von außen funktionieren kann. Die Einschränkungen für das Projekt werden wohl noch eine Weile bestehen. Nach den Sommerferien wolle man aber schauen, was dann möglich ist und das Projekt wieder stärker bewerben.

Gelebte Ökumene

Eva Sammet gehört zur katholischen Pfarrei St. Franziskus, Barbara Mielert zur evangelischen Bethlehemgemeinde. Beide Kirchengemeinden kooperieren für das Projekt. „Aber Konfessionsgrenzen waren nie unser Thema“, sagen die beiden. „Wer sich sozial engagieren will, kann das bei uns tun und wer Hilfe braucht, bekommt die auch – ganz einfach unabhängig von der Konfession.“ Was beim Projekt gut läuft, wünschen sich die Frauen auch auf anderen Ebenen von ihren Kirchen: mehr Annäherung. „Vor allem beim Abendmahl“, erhofft sich Sammet die Annäherung, denn Ökumene lebt sie auch in Ihrer Familie: „Mein Mann ist evangelisch. Bei besonderen Anlässen geht er schon mit zur Kommunion.“ Aber ansonsten sei das ja schwierig. Hier wünsche sie sich, dass die Konfessionen weiter aufeinander zugehen.

schaut hin

Vom 3. Ökumenischen Kirchentag erwarten Mielert und Sammet, dass die Kirchen sich als offene Orte zeigen. „Es wäre schön, wenn es einen Aufbruch gibt, wenn die Menschen in den Gemeinden erleben ‚Wir sind viele‘ und wieder positiv nach vorne schauen.“ Beim ÖKT wollen die beiden mit den Menschen, die dann in Frankfurt zu Gast sind, ins Gespräch kommen: „Es gibt so viele tolle Projekte, wo Kirche sichtbar wird. Nicht nur hier in Frankfurt.“   

„Soziale Kontakte Ginnheim“ wurde 2019 mit dem Senfkornpreis der Caritas ausgezeichnet. Der mit 1000 Euro dotierte Preis würdigt „beispielhaftes soziales Engagement“ in Frankfurt. Der Gewinn fließt in die weitere Projektarbeit. (jqu)

Diesen Artikel teilen: