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t – Frankfurt ist glücklich

Stadtspaziergang „schaut hin Frankfurt“

Die nachfolgenden Beiträge bieten einzelne Perspektiven. Verschiedene Personen haben bei zur Erstellung und Auswahl beigetragen. Diese Perspektiven sind nicht deckungsgleich zu den Meinungen des 3. Ökumenischen Kirchentages oder der Gastgebenden Kirchen.

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Museum 2 go

Andacht im hr

Programmtipp zum 3. Ökumenische Kirchentag und dem Thema „Jüdisches Leben“:

Schaut hin – Jüdisches Leben in Frankfurt – Gedenken zu Beginn

Freitag, 14. Mai 2021, 11.00 bis 12.00 Uhr

Was tun wir gegen Antisemitismus - Hauptpodium

Freitag, 14. Mai 2021,  12.30 bis 13.30 Uhr

Anlässlich des Jubiläums gründete sich der Verein 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V. (2021jlid)

Mit dem Ziel jüdisches Leben in Deutschland sichtbar und erlebbar zu machen, gestalten sie über 1000 Veranstaltungen. Mehr dazu erfährst du im Teaser (vimeo). Empfehlenswert ist auch der Podcast (2021jlid), den es auf der Homepage und auf nahezu allen Streamingplattformen zu hören gibt.

Am 21. Februar fand in der Kölner Synagoge der Auftakt und Festakt des Jubiläumsjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete die Zeremonie mit einer Ansprache (bundespraesident.de).

Mit den Fragen „Wer bist du und was bedeutet es für dich jüdisch zu sein?“ kreierte der Künstler Jan Feldman eine Videoreihe, die den Namen Jewersity (2021jlid) trägt. Mit 20 kurzen Porträts gelingt es ihm die individuellen Geschichten zu erzählen.

Und was es für Achim bedeutet Jude zu sein, hat er in einem Artikel (hagalil) verfasst.

Zum Jahrestag des versuchten Massenmords in der Synagoge in Halle/Salle veröffentlichte der Musiker Ben Salomo das Lied „Deduschka“ (YouTube). Mithilfe von Musik und Text erweckt er Wut und Trauer. Er zeigt, dass die jüdisch-deutsche Geschichte von Antisemitismus geprägt ist (Deutschlandfunk) und dieser bis heute anhält.

Einer der einflussreichsten Komponisten der Geschichte war Antisemit: Richard Wagner. Wie und warum das die Gesellschaft prägte und welche Komponisten ebenfalls im Zusammenhang mit Antisemitismus stehen, erfährst du in einem Artikel von BR-Klassik.

Charlotte Knobloch (Gespräch im WDR) ist eine der bekanntesten Frauen des deutschen Judentums.

Im Bundestag sprach sie über Antisemitismus und Rechtsextremismus. Ihre bewegende Rede findest du hier. (RND)

Selbstverständlich gibt es einige Dokumentarfilme zum Thema 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Wie zum Beispiel den Beitrag von Phoenix (YouTube). Und für Kinder gibt es ebenfalls eine Kurzdoku über das jüdische Leben in Deutschland (YouTube).

Makkabi ist ein jüdischer Sportverein mit 37 Standorten in Deutschland, unter anderem auch in Frankfurt. Als interkultureller Sportclub engagiert er sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung.

Wenn du mehr über jüdischen Fußballsport in Hessen von 1933 bis 1938  erfahren willst, schau doch mal hier.

1965 wurde ein jüdischer Verein in Frankfurt als Anlaufpunkt für talentierte jüdische Fußballer und als „einer der wichtigsten Meilensteine beim Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde“ gegründet. Natürlich stand hier nicht nur der Sport im Vordergrund, sondern ein eigenständiges jüdisches Leben in Deutschland, als kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg in die Normalität. In den 1980er Jahren verlor der TuS Makkabi Frankfurt e.V. seine sportliche Heimat am Dachsberg in Preungesheim auf Grund des Neubaus der Autobahn A661. Nach mehreren Interimslösungen auf verschiedenen Sportplätzen wurde die Bertramswiese nahe des Hessischen Rundfunks (Dornbusch) zur neuen Spielstätte der Fußballer. Basketball und Tischtennis fanden in der Gemeinde statt. Seit 1980 hat sich sehr viel getan: Aus 300 Mitgliedern und fünf Abteilungen wurden mittlerweile 2000 aktive Mitglieder in über 27 Abteilungen, welche sich auf 20 Sportplätzen und –hallen in ganz Frankfurt verteilen. Diese Entwicklung soll nun mit einem Makkabi-Sportzentrum gekrönt werden. Wir schaffen eine Heimat für alle Makkabäer, deren Kinder und Kindeskinder. Ob mit oder ohne körperliche Beeinträchtigung, unabhängig der Nationalität, Hautfarbe und Religionszugehörigkeit, es entsteht eine neue Heimat für alle.

Makkabi Frankfurt

Mithilfe eines virtuellen Stadtführers des Jüdischen Museums Frankfurt, kannst du weitere Geschichten und Erinnerungen von Jüd*innen entdecken.

Download für Apple/IOS (Appstore)

Download für Android (Playstore)

Bethmann-Park und Grüneburgpark gehören selbstverständlich zur Stadt und zum Leben der Frankfurter*innen. Der Weg, wie die Parks in städtische Hand kamen erinnert an das Martyrium der Jud*innen in der NS-Zeit.

https://www.frankfurt1933-1945.de/nc/beitraege/show/1/thematik/einzelschicksale/artikel/die-verfolgungsgeschichte-der-juedischen-frankfurter-familie-goldschmidt-rothschild/

http://www.historische-eschborn.de/berichte/Hessen/Rothschild_in_Ffm/body_rothschild_in_ffm.html

Die Lebensgeschichte eines jungen Juden mitten im Frankfurt der NS-Zeit erzählt die Autobiografie von Leopold Tyrmand.

https://www.hessenschau.de/kultur/roman-filip-wie-ein-polnischer-jude-die-nazi-zeit-in-frankfurt-erlebt-hat,roman-filip-tyrmand-100.html

Einblicke in diese Zeit gibt ab Oktober 2021 die Ausstellung „Frankfurt und der NS“ im Historischen Museum.

https://historisches-museum-frankfurt.de/frankfurt-und-der-ns

Warmaisa - Das jüdische Worms 

In seiner 1911 veröffentlichten und prämierten Dissertationsschrift Luthers Stellung zu den Juden gibt der spätere Königsberger Rabbiner Reinhold Lewin eine 1575 zuerst überlieferte Geschichte wieder. Luther habe bei seinem Aufenthalt in Worms in seiner Herberge zwei Juden empfangen und mit ihnen über die Auslegung von Jes. 7, 14 gestritten. Die Juden seien schließlich unter dem Gelächter der Anwesenden des Saales verwiesen worden. Wenn auch der historische Wert dieser Episode in der Wissenschaft stark bezweifelt wird, so spiegelt sie doch die Tatsache, dass es in Worms eine tausendjährige jüdische Geschichte gab, die erst mit dem Nationalsozialismus durch die Zerstörung der Synagoge und die Deportationen 1942 vorübergehend endete. Die Geschichte spiegelt aber auch, dass es durchaus Begegnungen zwischen Juden und Christen im Mittelalter gab. So werden in dieser Zeit der Besinnung auf die Quellen der biblischen Überlieferung Hebräischkenntnisse für die Reformatoren wichtig, die teilweise auch von Juden, zum Teil von konvertierten, vermittelt wurden. Luther nutzt für seine Übersetzungsarbeit auch die Postille des Nikolaus von Lyra, die ihrerseits viel dem mittelalterlichen aschkenasischen Bibelkommentator Raschi verdankt, der etwa von 1055-1065 in Mainz und Worms studierte. Hans Denck und Ludwig Hätzer haben für ihre 1527 in Worms gedruckte Übersetzung der Prophetenbücher des Alten Testaments mit hoher Wahrscheinlichkeit jüdische Hilfe in Anspruch genommen, und seien es nur die rabbinischen Bibelkommentare. Luther wirft ihnen das vor. All dies zeigt, dass ein kurzer Blick auf das jüdische Worms auch zu einer Vorstellung der Stadt als Ort der Reformation gehört. 

Wann kamen die ersten Juden nach Worms? Zwei Legenden erzählen von einer jüdischen Zuwanderung vor unserer Zeitrechnung. Sie hätten angeblich das Heilige Land nach der Zerstörung des ersten Tempels im Jahre 587 v.Chr. verlassen, sich in Worms angesiedelt und eine Gemeinde gegründet. Beim Prozess gegen Jesus hätte die Wormser Gemeinde den Glaubensgenossen in Jerusalem von der Kreuzigung abgeraten. Auch in Worms hat es mithin den Vorwurf des Gottesmords gegeben und Juden haben sich dagegen gewehrt. Weitere Legenden ranken sich um eine Zuwanderung einzelner Juden im Gefolge der römischen Armee. Das ist für Worms im Gegensatz zu Köln für das Jahr 321 nicht nachzuweisen, aber auch nicht auszuschließen. Mit den steinernen Zeugen der jüdischen Vergangenheit, den ältesten Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof (dem „Heiligen Sand“) von 1058/59 und 1076/77 sowie der Gründungsinschrift der Synagoge von 1034, ist man dagegen auf der sicheren Seite, ebenso wie mit der Erwähnung von Wormser Juden durch Mainzer Gelehrte für die Jahre 960 und 980. So kann man mit gutem Grund annehmen, dass es bereits vor der Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend in Worms Juden gab. Sie siedelten im Bereich der mittelalterlichen nördlichen Stadtmauer. Die restaurierte Judengasse mit der Synagoge im Zentrum lässt das Siedlungsgebiet noch heute gut erkennen. Im Lauf der Zeit wurde dieses Gebiet zu einem geschlossenen Ghetto, das im Zuge der Emanzipation im 19. Jahrhundert geöffnet wurde. Der Friedhof liegt außerhalb der ursprünglichen westlichen Stadtmauer und des davor gelegenen Stadtgrabens, so wie es den Vorschriften der Halacha entspricht. Erst als man im 14. Jahrhundert eine neue Mauer an der Westseite des Friedhofs baute, kam er innerhalb der Stadt zu liegen. Acht sicher datierbare Steine aus dem 11 Jahrhundert, über 70 aus dem 12. und 270 aus dem 13. Jahrhundert sind teilweise gut lesbar. Damit ist der Heilige Sand in Worms der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas, wenn auch anderen Orts einzelne ältere Steine archäologisch geborgen werden konnten. Der Friedhof wird von Juden aus aller Welt besucht wie eine Wallfahrtsstätte. Sein Eingang mit dem Brunnen, der eine rituelle Reinigung beim Verlassen des Friedhofs ermöglicht, sowie dem Leichenwaschhaus wurde 1625 von David Oppenheim gespendet, einem reichen Gemeindeglied. Direkt am Anfang des Rundgangs über den Friedhof befinden sich die berühmtesten Gräber, erkennbar an der Menge der Zettel und kleinen Steine, die auf die Grabmäler gelegt sind, die Grabmäler für Rabbi Meir von Rothenburg (gestorben 1293) und Alexander ben Salomo Wimpfen (gestorben 1307). Rabbi Meir schloss sich als hohe Autorität einer Auswanderungsbewegung nach Palästina an. Der Kaiser sah seine Einkünfte bedroht und setzte ihn gefangen. In seinem Gefängnis in Ensisheim im Oberelsass starb der Rabbi, nachdem er verboten hatte, 23000 Mark Lösegeld für ihn zu zahlen. Erst 14 Jahre nach seinem Tod löste Salomon Wimpfen, ein reicher Frankfurter Kaufmann, die Gebeine aus und wurde nach seinem Tod im gleichen Jahr neben Meir Rothenburg beigesetzt. Die ältesten Steine befinden sich im südlichen Teil des Friedhofs, die jüngsten auf dem erhöhten westlichen Teil, dem ursprünglichen 1689 geschleiften Wall. Der Friedhof wurde bis 1911 belegt. Ein neuer jüdischer Friedhof mit einer von Georg Metzler im Jugendstil erbauten Trauerhalle wurde in im Bereich des kommunalen Friedhofs in Worms-Hochheim angelegt. Hier befindet sich auch ein Ehrenmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs. 

Wichtiges steinernes Zeugnis der großen jüdischen Vergangenheit ist natürlich die mittelalterliche Synagoge. Die Stifterinschrift von 1034 ist erhalten und nahe dem Eingangsportal zur Männersynagoge eingemauert. Der erste Synagogenbau wurde 1096 im ersten Kreuzzug zerstört. 1174/75 wurde die heutige Männersynagoge fertiggestellt. Sie ist nach Osten ausgerichtet. In der Apsis befindet sich der Toraschrein, die Bima bildet die Mitte des durch zwei Mittelsäulen und Gratgewölbe gegliederten Raumes. An einzelnen Ornamenten ist die Arbeit der Wormser Dombauhütte zu erkennen. Das Okular in der Westwand, das der Beobachtung des Sternenhimmels zur Festlegung des Sabbatbeginns diente, lässt nur noch einen Blick in die Raschi – Kapelle zu. Von weiteren Pogromen sowie der Stadtzerstörung von 1689 war auch jeweils die Synagoge betroffen, das führte zu neuen Bauelementen wie dem um 1700 entstandenen Aron. 1213/14 wurde rechtwinklig in nördlicher Ausrichtung die Frauensynagoge angebaut, bis 1842 nur durch Fensteröffnungen mit der Männersynagoge verbunden, dann geöffnet. Sie ist heute als Gedenkraum für die durch die Nationalsozialisten ermordeten Juden gestaltet und dient auch der Präsentation von Ausstellungen und als Ort für Veranstaltungen. 1623/23 wurde die Raschi – Kapelle, eine Jeschiwa (Lehrhaus) an die Westwand angebaut, wohl als Ersatz für die im 14. Jahrhundert erbaute Talmudhochschule, an deren Stelle heute das Raschihaus steht, das das Stadtarchiv und ein jüdisches Museum beherbergt. In dem im barocken Stil errichteten Raum sticht besonders der „Raschistuhl“ hervor, in dem der berühmte Rabbi aber nur der Legende nach gesessen haben kann. Schließlich gehört zum Gesamtensemble der Synagoge noch die 1185/86 fertiggestellte Mikwe (das rituelle Tauchbad) mit der rundbogigen Nische zur Kleiderablage und dem zweiteiligen Fenster, das einen Blick in das Tauchbecken ermöglicht 

Worms war ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Der berühmteste Gelehrte, der in Worms studiert hat, war Schlomo ben Jizchak, genannt Raschi (1040-1105). Er genießt bis heute im Judentum hohe Autorität. Beim zentralen Festakt zum 900. Todestag Raschis in der Synagoge zückte ein orthodoxer Rabbiner während seines Grußwortes sein Handy und demonstrierte, dass er Raschi immer bei sich trage. Er hatte einen Kommentar des Gelehrten zur Bibel aufgerufen. So wird verständlich, dass Worms den großen Gelehrten durch Aufstellung einer modernen Skulptur von Wolf Spitzer auf dem Synagogenhof geehrt hat. Die Stadt hat ihn auch als Namengeber für ihre jüdischen Kulturdenkmäler verwendet: Raschihaus, Raschi – Kapelle, Raschibad, Raschistuhl (in der Jeschiwa).  

Die Auseinandersetzung um die Reform des Gottesdienstes im 19. Jahrhundert hinterließ auch in Worms Spuren. Die Aufstellung eines Harmoniums, dann 1877 dann einer Orgel auf der neu erbauten Empore, führte zum Streit der Örgler und Nörgler. So gab es weitere Räume für Gottesdienste. Der reiche Fruchthändler Leopold Levy ließ an der Stelle eines nicht mehr benötigten Fruchtspeichers 1875 eine zweite Synagoge bauen. Sie diente für Werktagsgottesdienste und Gottesdienste nach traditionellem Ritus. Sie wurde zwar in der Pogromnacht nicht angezündet, weil das in Anbetracht der umliegenden zu gefährlich war, jedoch durch Fliegerbomben zerstört und nicht wieder aufgebaut. Heute erinnert eine Gedenktafel an das Gebäude. Leopold Levy wollte durch die unterschiedlichen Angebote die Einheit der Gemeinde bewahren. 

Die Synagoge wurde in der Nacht vom 9. Auf den 10. November zerstört und von 1958 – 1961 wieder aufgebaut. Die Parkanlage am ehemaligen Stadtgraben vor der Judengasse wurde nach der jüdischen Lehrerin Herta Mansbacher benannt, die sich den Nazis 1938 mutig entgegengestellt hat. Sie wurde wie die anderen noch in Worms verbliebenen Juden 1942 deportiert. Die jüdische Bevölkerung war laut Adressbuch von 1939 auf 363 Einwohner geschrumpft. Eine Dokumentation von Annelore und Karl Schlösser (1987) geht von insgesamt 464 durch die Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Bürgern aus Worms (einschließlich ehemaliger Wormser) aus. Der 1996 gegründete Verein Warmaisa hat sich sowohl um die Pflege der Zeugnisse jüdischer Vergangenheit als auch um die Gedenkkultur verdient gemacht. Ihm ist auch die Verlegung von bisher(Februar 2015) 129  Stolpersteinen vor den ehemaligen Wohnungen jüdischer Mitbürger zu verdanken. Heute leben wieder Juden in Worms, die fast ausschließlich aus der ehemaligen Sowjetunion zugezogen sind. Sie gehören zur jüdischen Gemeinde Mainz – Worms. Einige haben sich auch in einem eigenen Verein organisiert. Zahlenangaben dazu sind schwierig. 

Der großen Tradition entsprechend, wie sie in steinernen Zeugnissen, in der Erzähl- und Gelehrtentradition deutlich wird, hat das Land Rheinland-Pfalz im August 2012 bei der UNESCO beantragt, das jüdische Erbe der SchUM- Städte (Schpira, Warmaisa, Magenza: Speyer, Worms und Mainz) in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. 

 

Literatur: 

Karl E. Grözinger (Hrsg.), Jüdische Kultur in den SchUM – Städten. Literatur, Musik, Theater (Jüdische Kultur 26), Wiesbaden 2014

Pia Heberer (Hrsg.), Die SchUM-Gemeinden Speyer – Worms – Mainz: auf dem Weg zum Weltkulturerbe, Regensburg 2013

Peter von der Osten-Sacken, Martin Luther und die Juden, Stuttgart 2002

Fritz Reuter, Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms, 3. Aufl. Worms 2009

Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Mit dem Titel #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst startete 2021 die ökumenische Plakatkampagne gegen Antisemitismus (EKD). Der Name ist Programm.

In Frankfurt am Main gab es am Alten Brückenturm ein Wandgemälde aus dem Mittelalter. Es war bis zum Abriss des Brückenturms 1801 eine touristische Attraktion. Der Name des Gemäldes war ebenso schrecklich wie sein Inhalt: die Frankfurter „Judensau“. Es zeigte einen Rabbiner, der verkehrt herum auf einer Sau reitet. Unter dem Bauch des Tieres saugt ein junger Jude an den Zitzen. Hinter der Sau: der Teufel und eine auf einem Ziegenbock reitende Jüdin.

Solche widerlichen Darstellungen gab und gibt es an Kirchen in Erfurt, Magdeburg, in der Lutherstadt Wittenberg und in Köln, am Regensburger und am Bamberger Dom. Die jahrhundertealte Botschaft dieser Bilder ist klar: Der intime Umgang mit dem im Judentum unreinen Schwein verhöhnt und demütigt. Das ist der mittelalterliche Vorläufer des Antisemitismus.

Christ*innen haben Jahrhunderte lang sich für überlegen gehalten und den jüdischen Glauben in den Dreck gezogen. Das wirkt bis heute nach. Immer wieder sagen Menschen in der Kirche, das Alte Testament fänden sie schwierig. Da würden doch nur Geschichten von Krieg und Rache drinstehen. Im Neuen Testament dagegen gehe es um Liebe und Frieden. Das ist falsch. Der Gott der Liebe kommt im Alten wie im Neuen Testament vor. Das Gebot der Nächstenliebe halten viele für das christliche Gebot schlechthin. Dabei steht es im Alten Testament, also in der Heiligen Schrift der Jüdinnen und Juden. Jesus greift es auf. Kein Wunder – Jesus war Jude.

Eine tödliche Zuspitzung der Diskriminierung von Juden durch Christen ist die Bezeichnung „Gottesmörder“. Bis ins 20. Jahrhundert hinein spukte durch die Kirchengeschichte der Vorwurf, Juden hätten Christus ans Kreuz geschlagen. Christen haben sich viel zu spät bewusst gemacht, dass sie durch solche Denk- und Redeweisen Judenhass und Antisemitismus geschürt haben. Zum „Nie wieder!“ und zum „Nein gegen Antisemitismus!“ gehört christliche Selbstkritik. Und deutliche Zeichen dafür, dass Christen wissen, aus welcher Quelle ihr Glaube schöpft, nämlich aus dem Judentum.

Pfarrer Martin Vorländer,

Rundfunkbeauftragter der EKHN für den Hessischen Rundfunk

Nach der fünfjährigen Renovierung öffnete das Jüdische Museum in Frankfurt am Main wieder seine Türen. Alles über die Erweiterung kannst du hier ansehen. (3sat)

Die Parkecke Nizza erlaubt es Pflanzen aus dem Mittelmeerraum zu überleben. Durch den wärmespeichernden Main, den vielen Sonnenstunden und der windgeschützten Lage entsteht ein mediterranes Klima, dass die südfranzösische Flora nach Frankfurt bringt.

Ein Projekt der Gastgebenden Kirchen:

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