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"u" der Diversität

Stadtspaziergang „schaut hin Frankfurt“

„Darum sollt auch ihr die Fremden lieben. Ihr habt ja selbst in Ägypten als Fremde gelebt.“ 5. Mose 10,19

Die nachfolgenden Beiträge bieten einzelne Perspektiven. Verschiedene Personen haben bei zur Erstellung und Auswahl beigetragen. Diese Perspektiven sind nicht deckungsgleich zu den Meinungen des 3. Ökumenischen Kirchentages oder der Gastgebenden Kirchen.

Was ist Diversität?

Unsere Bunte Welt

Programmtipp:

In welcher Welt wollen wir leben? Eine Stunde zu religiöser Vielfalt

Samstag, 15. Mai, 15 bis 16 Uhr

Justizia-Brunnen

Auf Frankfurterisch heißt der Römer „Gut Stubb“, die gute Stube, das Herz der Stadt. In diesem Herzen auf der Mitte des Platzes steht der Brunnen mit der Justizia. Die Gerechtigkeit ist dargestellt als eine Frau mit Schwert in der einen und Waagschale in der anderen Hand.

Bei den meisten anderen Figuren trägt die Justizia eine Binde über den Augen. Sie soll ohne Ansehen der Person Recht sprechen. Die Frankfurter Justizia hat keine Augenbinde. Sie schaut mit offenem Blick auf das Rathaus der Stadt. Es ist, als würden ihre Augen sagen: Ihr Damen und Herren im Stadtrat, ich schaue hin, ob ihr recht regiert. Werdet jedem einzelnen Menschen gerecht!

 

Der Römer trägt Vielfalt im Namen

Warum heißt der Römer Römer? Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Eine lautet: Wo heute das Frankfurter Rathaus steht, befand sich früher das Haus „Zum Römer“, benannt nach seinem Besitzer. Der war ein Kaufmann und handelte viel mit Italien. Besonders wenn Messe war, beherbergte sein Haus Waren aus dem Süden und Geschäftspartner aus Italien, auf Frankfurterisch einfach „Römer“ genannt.

Bald hieß das Haus „Zum Römer“. Der Name ging auf das spätere Rathaus über und dann auf den ganzen Platz, den Römerberg. Die Verbindung in die Welt trägt die Mitte der Stadt also im Namen. Und damit das Wissen: Man kann diversen Ursprungs sein und gehört zugleich mitten hinein.

 

Queen, Queer und König Fußball

Der Balkon des Frankfurter Rathauses ist begehrt. Queen Elisabeth II. von Großbritannien wollte hier stehen und winken, als sie 2015 in Frankfurt zu Besuch war. König Fußball feiert hier gern, wenn die Eintracht Frankfurt erfolgreich gespielt oder die Frauen- Nationalmannschaft den Titel gewonnen hat.

Als das erste schwule Paar in Frankfurt im Oktober 2017 standesamtlich die Ehe geschlossen hat, ließ der Oberbürgermeister die Regenbogenfahne am Rathaus hissen.

Auf dem Römerberg feiern die verschiedenen Kirchen der Stadt für gewöhnlich am Pfingstmontag gemeinsam Gottesdienst. Sie loben Gottes Heiligen Geist in vielen Sprachen: Spirit – Esprit – Ruah – Spirito Santo… 

Vielfalt von Fußball bis Pfingsten, von Queen bis Queer ist keine Randerscheinung. Sie hat ihren Platz im Herzen der Stadt.

 

Komm, Herr, segne uns

Beim Römer ums Eck ist das Lied „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen“ entstanden. Der damalige Frankfurter evangelische Propst Dieter Trautwein hat es 1978 komponiert und geschrieben. Er hatte sein Büro und seine Wohnung in der Saalgasse hinter der Alten Nikolaikirche.

Eigentlich war das Lied nur eine „Hilfsmelodie“, wie Trautwein erzählt hat. Er brauchte für einen Radiobeitrag im Hessischen Rundfunk eine eingängige Melodie, da ist ihm diese eingefallen.

Die Melodie kam gut an. Deshalb schrieb Trautwein den heutigen Text dazu und widmete das Lied Richard von Weizsäcker zum 60. Geburtstag. Der war damals Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Das Lied wurde ein Kirchentags-Hit. Es bekam seinen festen Platz im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 170) und hat es sogar ins katholische Gotteslob geschafft (Nr. 451).

Insbesondere die zweite Strophe besingt, dass niemand allein für sich steht. Wir brauchen die Vielfalt der anderen: „Keiner kann allein Segen sich bewahren. Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihen, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.“

 

Heidrun Dörken / Martin Vorländer

Von hier starten vielen Führungen, um Frankfurt besser kennenzulernen (Frankfurt Tourismus)– für Besucher*innen und Einheimische.

 

Wer von zu Hause schon einen kleinen Blick in die Stadt werfen möchte, kann sich hier auf eine Führung mitnehmen (YouTube) lassen.

Die Welt ist viel zu groß und unübersichtlich, um sich ein Bild zu machen? Zahlen können helfen, die Situation anschaulicher zu machen. 100 Menschen kann sich jede*r vorstellen. Wie würde die Welt dann aussehen?

Hier kannst du es nachlesen (Watson) oder die anschauen (englisch) (YouTube).

Dieser Podcast (NPR) stößt das Nachdenken über Zweck und Dasein von Sprache an. (Englisch)

Unsere Welt verändert sich. Als Stadt können wir nicht alles selbst beeinflussen, steuern oder ausgleichen. Aber gemeinsam erreichen wir allemal mehr. Denn mit der Internationalität und Vielfalt unserer Stadt haben wir alle mehr Möglichkeiten. Aber das gelingt nicht von allein. Wir müssen diese Vielfalt nutzen und gestalten – und zwar so, dass alle eine echte Chance haben. Deswegen gibt es seit über 30 Jahren das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA). Es hat die Aufgabe, die Entwicklung und Folgen von Diversität in unserer Stadt in den Blick zu nehmen, darüber zu informieren und aktiv zu werden.

Und für die Zeit nach der Corona-Pandemie ist man hier auch schon bereit.

Über „Identitätspolitik“ wird in letzter Zeit intensiver diskutiert.

Sie kann dazu beitragen, dass das eigene Selbstverständnis die Gesellschaft spaltet (DLF Kultur). Jedoch lässt auch gegen ihre Kritik lesen und als Rebellion wertschätzen (bpb).

Lego City ist eine Stadt der Männer (Spiegel Online). Situationen wie diese lasse sich auch ändern, indem mutig Verletzungen angesprochen werden. Ein Beispiel findet sich hier (tagesschau).

ZDF heute hat mit 13 FRAGEN einen Versuch gemacht, darüber zu reden und Kompromisse zu finden.

Feindliches Design: Wenn Stadt-Architektur die Menschen ausgrenzt (hessenschau).

Und was die Nachbarschaft sich überlegt hat: Farbelehre für die Stadt? (taz)

Dylan Marron zeigt, wie sich die zusammen fast 20 Stunden Harry-Potter-Filme auf kaum mehr als 6 Minuten (YouTube) verkürzen lassen.

„Die Debatte um Rassismus in Deutschland ist durch epistemische Gewalt gekennzeichnet: rassismuserfahrenen Gruppen werden ihre Diskriminierungserfahrungen abgesprochen, rassistische Realitäten geleugnet, nivelliert, bagatellisiert, die Relevanz oder gar Existenz des Wissens und der kollektiven Erfahrungen von rassismuserfahrenen Gruppen verneint.”

Bericht der Enquetekommission 6/1, Thühringer Landtag, 24.09.2019

Rassismus im System Deutschlands erklärt. (mediendienst integration)

Und was kann ich tun gegen Rassismus? (demokratie-bw.de)

Gapminder identifiziert systematische Missverständnisse über wichtige globale Trends und verwendet zuverlässige Daten, um leicht verständliche Lehrmaterialien zu entwickeln, mit denen Menschen von ihren Missverständnissen befreit werden. Seine Mission ist es, verheerende Ignoranz mit einer faktenbasierten Weltanschauung zu bekämpfen, die jeder verstehen kann.

https://www.gapminder.org/

Verschiedenheit, Vielfalt. Was für ein Segen! Wer dagegen verlangt, dass Menschen gleichgeschaltet werden, der tritt die Humanität mit Füßen. Wirklich menschlich kann nur sein, wer fähig ist zu echter Empfindsamkeit und zu einem differenzierten Denken, das sich nicht gleichschalten lässt. Wer fähig ist, die Freiheit des Andersdenkenden zu verteidigen.

Im Römer und am Holbeinsteg wurde „Im Labyrinth des Schweigens“ gedreht. Ein wichtiger Film aus dem Jahr 2014 über Nazi- und Nachkriegszeit, der die Vorgeschichte der Frankfurter Auschwitzprozesse thematisiert. Er spielt in den 50er Jahren. Alexander Fehling spielt den fiktiven Anwalt Johann Radmann, er rennt die Treppen im Römer hoch.

Eine Gruppe Juristen um Generalstaatsanwalt Fritz Bauer jagt im Nachkriegsdeutschland die alten unverbesserlichen Nazis. Das sogenannte Dritte Reich gerät in Vergessenheit – oder eher: Man möchte sich nicht mehr gerne erinnern. Radmann befasst sich gegen erheblichen Widerstand mit dem Fall eines Auschwitz-Wärters.

Unterstützt wird er von Fritz Bauer (Wikipedia), dem hessischen Generalstaatsanwalt, der wirklich gelebt hat. Er sorgte 1952 dafür, dass die Widerstandskämpfer des 20. Juli rehabilitiert wurden. Bauer war in der Justiz umstritten. Kein Wunder: Die meisten damaligen Juristen waren schon in der NS-Diktatur tätig.

Im Film stärkt er Radmann den Rücken. Der findet eine Liste mit SS-Leuten, die Gefangene im KZ getötet haben. Zusätzliche Unterlagen entdeckt er im Document Center (Wikipedia) der Amerikaner in Frankfurt. Die ersten Täter werden verhaftet. 1963 beginnt der Auschwitz-Prozess (Wikipedia). Fritz Bauer sagt seinen Staatsanwälten: „Heute wird Geschichte geschrieben.“

Susanne Breit-Keßler

Was hat "unconscious bias", also eine unbewusste Voreingenommenheit, mit Kaffee kaufen zu tun? Was ist dieser Bias überhaupt? Und wieso kann er Probleme bereiten? Erklärungen gibt die Abteilung Gleichstellung und Diversität der Universität Wien in diesem Video.

Ein kleiner Test zu den eigenen Vorurteilen gefällig?

Dann schaut dir das mal an. (YouTube)

Um den eigenen Vorurteilen weiter auf den Grund zu gehen, gibt es den Impliziten Assoziationstest (IAT). Es ist eine Möglichkeit zu ergründen, welche Vorurteile in einem stecken können. Hier geht es zum Test.

Jedoch sind der Test und seine Ergebnisse nicht unumstritten (vox). Allgemeine Informationen gibt es hier (Wikipedia).

„Wenn wir nicht lernen können, diese kleinen Unterschiede tatsächlich zu genießen, uns an diesen kleinen Unterschieden zwischen unserer eigenen Art hier auf diesem Planeten positiv zu erfreuen, dann verdienen wir es nicht, in den Weltraum hinauszugehen und der Vielfalt zu begegnen, die mit ziemlicher Sicherheit da draußen ist.“ Gene Roddenberry

 

Ein Projekt der Gastgebenden Kirchen:

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E-Mail: service(at)oekt.de

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